Opus Ultimum

Festivalbericht: Nocturnal Culture Night 2007 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Frank Buttenbender   
Mittwoch, den 12. September 2007 um 15:59 Uhr

In einer Zeit, in der Veranstalter bei der Wahl ihrer Festival-Headliner entweder zuviel oder aber überhaupt nicht auf den Geschmack der Masse achtzugeben scheinen, ist es beruhigend zu wissen, daß Klasse und Beliebtheit auch Hand in Hand gehen können. Und so gab es in Deutzen bei der zweiten Auflage der Nocturnal Culture Night endlich mal wieder einen würdigen Headliner. Die Rede ist im folgenden übrigens nur vom Samstag, auf den wir uns aus verschiedenen Gründen konzentriert haben. In Deutzen konnte man genau das spüren, was manche Szenegänger immer als die so genannte gute alte Zeit vermissen mögen; ein Festival, das in keiner Sekunde durchkommerzialisiert wirkte, wo eine alternative Lebensart sichtbar wurde, ohne daß sie sich als solches schmücken mußte. Und so waren auch die zahlreichen Defizite anderer Veranstaltungen hier einfach nicht existent: keine hohen Preise, keine Toi-Häuschen, kein überengagiertes Ordnerpersonal und vor allem keine Zeitgeistgrufties. Und Dank der freundlichen Ansagen der netten Organisations-Dame bedurfte es auch keines Steve Naghavi, um das Festival zu eröffnen ...

Eröffnet wurde der Samstag von der Band MONO INC., die wie auch die folgenden beiden Gruppen auf einer sehr kleinen Bühne auftreten mußten. Aber bis auf den etwas mäßigen Klang war dieser Ort durchaus geeignet für ein zu frühnachmittäglicher Stunde noch recht überschaubares Publikum. So richtig sprang auch noch kein Funken über, was aber weniger an dem guten und gitarrenlastigen Vortrag der Hamburger Band lag, die über die einzige weibliche Künstlerin des Tages verfügte; ... sondern einzig und allein in der für jeden Musiker schwierigen Starterposition begründet lag. Ein kleines bißchen mehr Aufmerksamkeit bekamen die britischen Darkelectronicer von DEVIANT UK, und dies nicht ganz zu Unrecht. Denn der ambitionierte Vortrag glänzte nicht nur mit einem Coversong der Band Project Pitchfork (Timekiller), sondern vor allem auch durch gute Eigenproduktionen und einen sehr charismatischen Frontmann, der zudem über eine sehr eigenwillige Stimme verfügt. Die Leipziger Mitglieder der Band AMNISTIA hatten trotz des Heimvorteils in gleich zweifacher Hinsicht Pech, denn zunächst schien es technische Probleme zu geben und am Ende des Vortrages begann bereits das Programm auf der benachbarten großen Bühne. Musikalisch eher nicht meine Kragenweite, war der Auftritt selbst aber ziemlich routiniert und fehlerfrei.

Der Schönheitspreis des Festivals wurde inzwischen auf der großen Bühne (einem Amphitheater) an die schweizerische Band FAQ verliehen, deren Mitglieder allesamt in besonders edler Kleidung erschienen. Optisch wie auch musikalisch wurden die vermutlich vorhandenen Vorbilder nur teilweise verleugnet, was aber dennoch zu einem guten Vortrag und ansteigender Publikumszahl reichte. Weniger schön war, daß sich erstmals dicke Regentropfen bemerkbar machten, die das Vergnügen vor allem in der Folgezeit erheblich schmälern sollten. Und so geriet auch der Auftritt der Dresdner Band ABSURD MINDS zu einem Gig im Regenwald vor inzwischen recht vollen Rängen. Die Stimmung wurde zusehendst besser, denn die Band um Sänger und Mastermind Stefan Großmann präsentierte einige ihrer vor allem in Club sehr beliebten Songs wie Herzlos oder The Cycle. Auch der Nine Inch Nails Klassiker Hurt wurde gut aufgenommen. Ein wenig schade war es, daß Co-Sänger und Legacy of Music-Frontmann Nick in Deutzen nicht dabei sein konnte. Nun war es Zeit für die auch in anderen Projekten vielbeschäftigten Musiker Felix Marc und Vasi Vallis von FROZEN PLASMA. Ihnen gelang ein mitreißender Vortrag, mit dem ich in dieser Form nicht gerechnet hatte. Die melodiösen Songs verbreiteten gute Laune, ohne dabei ins Beliebige oder Flache zu verfallen. Viel weniger Zugang hatte ich persönlich zur folgenden Band namens SOLITARY EXPERIMENTS. Der musikalisch monotone und bewegungsarme Vortrag ging höhepunktlos an mir vorüber. Einige Fans der Kurzhaarfraktion sahen das naturgemäß anders und feierten den Auftritt, der allenfalls durch eine großartige Lichtshow glänzen konnte.

Co-Headliner SONO sollte vom Pech verfolgt sein, denn einerseits mußte er seinen Vortrag durch einige vorherige Verzögerungen drastisch kürzen, zum anderen kam der schon besiegt geglaubte Festivalregen mit aller Macht zurück. Aber sehr viele Besucher trotzten dieser Situation und feierten gemeinsam eine große Party, was auch den Sänger zu anerkennenden Worten veranlaßte. Ein wenig zu lang für meinen Geschmack geriet die Umbaupause vor dem nächsten und abschließenden Konzert. Allerdings war das auch das einzige, was man an der großen Show von DIARY OF DREAMS aussetzen konnte. Höhepunkt war zweifellos die Weltpremiere des recht rockig wirkenden Songs „The Plague“, der in zwei Wochen in den Läden zu haben sein wird. Die vier Musiker, angeführt vom in mehrfacher Hinsicht großen Sänger Adrian Hates sowie dem ihn permanent umkreisenden Gaun:A vollzogen ihr Programm mit voller Hingabe. Es stimmte einfach alles, sei es Lichtstimmung, Sound, Begeisterung auf den Rängen und sogar der Regen hielt nun respektvollen Abstand.

Nach diesem Konzert bleibt nur der Wunsch, daß dieses Festival in ähnlicher Form noch oft wiederholt wird.

Hier findet man Bilder vom Festival.

 

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