Opus Ultimum

Project Pitchfork: One Million Faces / Wonderland PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Frank Buttenbender   
Mittwoch, den 28. Juni 2006 um 01:00 Uhr

Schon immer waren Peter Spilles und Kollegen Wegweiser für Entwicklungen innerhalb der Schwarzen Szene. So zeigten sie beispielsweise, daß man auch mit einem Majorlabel im Hintergrund seine Ideale nicht verraten muß und auch mit ausgereiften Werken die Türen von Viva und MTV öffnen bzw. eintreten kann. Daß man dieselben nicht auch noch durchschreiten mußte und dies Bands wie Oomph überließ, ist da nur konsequent. Diese Zeiten sind nun schon eine Weile vorüber, aber Innovation wird in Hamburg noch immer groß geschrieben. So veröffentlichte die Band Anfang Juni in ihrem eigenen Downloadshop zwei Singles mit Überlänge, die es in sich haben. Nicht nur, daß Überlänge bei 23 Minuten untertrieben ist, auch die Preispolitik (2 Euro pro Werk) und der Verzicht auf offizielle Werbung lassen aufhorchen. So verweigert man sich nicht nur konsequent den entstandenen Düstermarkt-Mechanismen, sondern läßt selbst neue entstehen, die den ursprünglichen Charakter der schwarzen Subkultur wieder in den Vordergrund rücken.

Das Werk One Million Faces wird durch eine 11 minütige temporeiche Overtüre (Research) eingeleitet, fährt mit einer Arie aus der Catalani-Oper La Wally fort und gipfelt schließlich in dem Electrokracher One Million Faces, der unglaublich melodiös und dynamisch zugleich den Zuhörer in seinen Bann zwingt. Man darf sehr gespannt und voller Hoffnung sein, ob dieser letzte Teil des ersten Werks, der durchaus ein Klassikerpotential vom Schlage Timekiller oder Souls in sich birgt, auf die Bühnen der Republik gebracht wird. Thematisch geht es um ein erneutes Nein zu Genmanipulationen.

Ruhiger und nicht weniger elektronisch beginnt Wonderland, ein wenig wird man an das Instrumental-Projekt Jansen/Spilles erinnert, auch wenn die Ouvertüre bedeutend dunkler und schwermütiger wirkt. Aber auch dieses Werk erfährt einen späteren Wechsel zur schnelleren Gangart. Das rauhe und energische und dabei gleichzeitig sehr eingängige Wonderland beschäftigt sich mit dem vererbten Irrsinn in Gewaltherrschaften.

Die beiden dreiteiligen Werke sind nicht nur in ihrer Geschlossenheit, sondern auch in ihrem instrumentalen Charakter am ehesten mit der Daimonion-Zeit zu vergleichen, und doch ist es schon aufgrund der symphonischen Größe ein ganz neues Hörerlebnis, das keinem Freund anspruchsvoller Musik verborgen bleiben sollte.

Wertung: 10/10

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www.pitchfork.de

 

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