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Das zweite Gothic-Aid-Benefizfestival fand am 15. März in der Markthalle Hamburg zugunsten eines Kinderhospizes (www.sternenbruecke.de) statt und erfreute sich eines großen Publikumszuspruchs. Dies war auch nicht weiter verwunderlich, denn für einen Eintrittspreis um die 20 Euro bekommt man andernorts und anderntags nicht mal eine der auftretenden Bands zu Gesicht. Die Markthalle teilte sich an diesem Abend zwei sehr unterschiedliche Locations; der große Saal mit nach drei Seiten stufenweise ansteigenden Publikumsraum bot im Gegensatz zum Katinengroßen „Marx“ ideale Sicht- und Hörbedingungen. Im Grunde ist diese Teilung auch eine gute Idee, wäre da nicht die mitunter fragwürdige Sortierung der Bands. Aber dazu später. Der Zeitplan sah einen Wechsel beider Locations mit nur geringer zeitlicher Überschneidung vor, ein Vorhaben, das sich nur anfangs realisieren ließ. Aber auch wenn es kleinere technische Probleme und mitunter recht unterschiedliche Leistungen auf der Bühne gab, sollte man allen Beteiligten schon an dieser Stelle Respekt für ihren Einsatz an diesem Abend zollen und danke sagen.
NEW DAYS DELAY, (MarX)
ist eine deutsche Surf-Rock- und Indie-Rock-Band, die im Herbst 1999 in Bremen gegründet wurde. Aufgrund einer hohen Konzertpräsenz in ganz Europa wurde die Band rasch populär. Die Gruppe veröffentlichte bislang zwei EPs sowie ein Album, teilweise im Eigenvertrieb. www.myspace.com/newdaysdelay
Music & Performance Gleich mit der ersten Band des Abends erlebte man die einzige Frau des Abends auf der Bühne, was im Grunde ein wenig schade war. Sängerin Insa Knapp war es dann auch, die bei den New Days Delay vor allem den Ton angab, wenn auch der Vortrag der Band insgesamt etwas gebremst und verhalten wirkte. Klang und Lichtverhältnisse entsprachen leider ebenso keinen Idealvorstellungen.
Rating Music 6 Performance 6 Sound 4 Light 4 Total 5,0
PESTICIDE, (Main Stage)
… ist moderner Nu Metal Rock aus Kiel. http://www.planet-pesticide.de/
Music & Performance Musikalisch an diesem Abend sicherlich ein wenig aus der Art geschlagen, aber als engagierter und temperamentvoller Farbtupfer präsentierten sich Pesticide, die neben ihren harten metallischen Klängen eine außerordentlich reife Bühnen-Show lieferten. http://www.myspace.com/planetpesticide
Setlist Murder Arts Walking Ghost Syndrome The Letter Tranquilizer Metroid What I feel for you Something Inside Me
Rating Music 6 Performance 9 Sound 6 Light 6 Total 6,75
ON THE FLOOR, (MarX)
Music & Performance Ebenso engagiert bei eingängigerer Musik ging der Abend im Marx mit On the Floor weiter. Mittlerweile auch bei steigender Zuschauerzahl, was die Stimmung auf beiden Seiten steigen ließ. Leider sah und hörte man noch immer nicht viel besser, aber immerhin ließ es sich hier klimatisch aushalten, im Gegensatz zum später kochenden Hauptsaal. http://www.onthefloor.de/
Setlist Heaven 1969 Transmission Ocean drive Gone away Everybody kills someone God is a sniper Floorschow Killing queen
Rating Music 7 Performance 8 Sound 5 Light 4 Total 6,0
fetisch:MENSCH, (Main Stage)
Dies ist ein ambitioniertes Projekt des Goethes Erben Sängers Oswald Henke, welches weder Tonträger produziert noch sonstige Produkte anfertigt. Es konzentriert sich ganz auf den Moment, in dem die Musik erklingt. http://www.fetisch-mensch.de/
Music & Performance Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie denn wohl Goethes Erben als Rockband funktionieren würden, der hatte in Hamburg Gelegenheit hierzu. Und auch, wenn gewisse Unterschiede zwischen beiden Projekten liegen mögen, die Bühnenpräsenz Oswald Henkes ist auch hier sehr intensiv. Wie immer bei Oswald Henke spielen die Texte eine tragende Rolle, auch wenn es für den einen oder anderen sicher eine gewisse Herausforderung sein dürfte, sie sich sofort und für immer einprägen zu müssen, denn wie oben bereits angedeutet, wird man sie in keinem CD-Booklet nachlesen können.
Setlist Nicht heute aber morgen Blauer Sonnenstrahl Zwischenseelenträume Erschießen Narbengarten Nicht heute aber morgen Manchmal II Zugabe: Pure Aggression
Rating Music 7 Performance 9 Sound 7 Light 7 Total 7,5
CYAN INC. , (MarX)
sind das Trio Per-Anders Kurenbach (Psyche), Sänger Cyan (The Eternal Afflict) und Drummer Chains (The Spook). Ende 2007 gab als Ergebnis der gemeinsamen Zusammenarbeit die Veröffentlichung des Albums „Better Leave Me Dying“. http://www.myspace.com/cyaninc
Music & Performance Leider wurde bei diesem Projekt anfangs das Licht ganz ausgeschaltet, was in Verbindung mit dem ebenfalls sehr problematischen Sound und einer etwas gereizten Stimmung des Sängers Cyan bei mir zunächst nicht den besten Eindruck hinterließ. Die Songs selbst entschädigten danach ein wenig, zumal auch Klänge der ursprünglichen Bandprojekte zu vernehmen waren.
Setlist Entrance Children without Amen Midas Touch We Libanon You Turmoil Reigns Leatherbound lil Jesus Abscense of light San Diego Holocaust of Love
Rating Music 5 Performance 5 Sound 4 Light 1 Total 3,75
SONO, (Main Stage)
ist eine Hamburger Elektropop-Größe, die ihren musikalischen Bogen von Wave bis Rave spannt, was allein dadurch spürbar wird, dass dieses Projekt bereits beim Wave Gotik Treffen als auch bei der St. Petersburger Mayday zu Gast war. Lineup: Florian Sikorski, Martin Weiland, Lennart A. Salomon http://www.sono.fm/
Music & Performance Eine Frage muß sich der Veranstalter wirklich gefallen lassen: Warum Sono zu diesem frühen Zeitpunkt? Das Projekt wäre als Co-Headliner geradezu ideal besetzt gewesen. Zumindest nach dem Gothic Aid Festival in Hamburg dürfte jeder mitbekommen haben, wieviel Begeisterung die eher minimalistische Art Musik entstehen zu lassen, auslösen kann. Ein gutgelaunter und stimmgewaltiger Sänger Lennart hatte das heimische Publikum jederzeit im Griff. Ein wenig schade natürlich, daß alles so schnell zu Ende war.
Setlist The Brightest Star All Those City Lights Someday Blame Always Something Missing Keep Control A New Cage 2000 Guns / Killer
Rating Music 9 Performance 8 Sound 9 Light 8 Total 8,5
THE PROMISE, (MarX)
ist die neue Band des ehemaligen Philtron-Sängers Sven Enzelmann http://www.myspace.com/thepromisegermany
Music & Performance Diese Band hatte sichtlichen Spaß bei ihrer Arbeit. Und auch die Licht- und damit Sichtverhältnisse waren besser, als bei allen anderen, die ich an diesem Abend im ”Marx” erlebt habe. Schade, daß die mäßige Soundanlage den Spaß an den mitunter sehr eingängigen Stücken etwas verdarb.
Setlist Intro Rain The rebel No joy Hold on You and me More then this Das Model Der Abgrund
Rating Music 6 Performance 8 Sound 4 Light 8 Total 6,5
ROTERSAND, (Main Stage)
eine deutsche Band, der es gelingt, EBM, Techno, Elektro und 80er Jahre-Anleihen zu einem ausgesprochen tanzbaren Mix zu vereinen. Ihre Veröffentlichungen erreichten hohe Platzierungen in den Deutschen Alternativ Charts (DAC). Die Band war Gast auf der letzten Covenant-Tour. http://www.rotersand.net/
Music & Performance „Wie schön, daß Ihr in Eurer Sauna auch einen Konzertsaal eingerichtet habt“. Die Hitze war mittlerweile ein wirkliches Problem, nicht nur für den scherzenden Sänger Krischan, der dies aber teilweise selbst zu verantworten hatte. Denn der Vortrag von Rotersand wirkte sich erwartungsgemäß außerordentlich tanzfördernd auf das Publikum aus. Das wiederum animierte den Sänger, einfach mal eine Weil mit ihnen zu tanzen.
Setlist Electronic world transmission Almost violent I cry-rework I don’t know Lost Exterminate annihilate destroy Undone
Rating Music 7 Performance 7 Sound 8 Light 5 Total 6,75
Nach diesem Act strömten viele in den kleinen Saal, um Agonoize zu erleben. Leider viel zu viele, wie sich herausstellen sollte, so daß wir dieses Ereignis leider versäumten. Genauso erging es uns mit der Band Kiev, die durch den verrutschten Zeitplan ein „Opfer“ des teilweise parallel auftretenden Headliners in der Großen Halle wurde.
ZERAPHINE, (Main Stage)
Die Gothicrock-Band aus Berlin wurde im Jahre 2000 von den Dreadful Shadows-Mitgliedern Sven Friedrich und Norman Selbig gegründet und hieß zunächst noch „Helix“, bevor das Projekt den jetzigen Namen erhielt. Nach vier zunehmend erfolgreichen Studioalben, erfolgte im vergangenen Jahr die Veröffentlichung einer Best of namens „Years in black“. Sänger Sven ist außerdem weiterhin mit den Dreadful Shadows unterwegs sowie für sein Electroprojekt Solar Fake. http://www.zeraphine.de
Music & Performance Gähnende Leere im großen Saal. Das war das deprimierende Ergebnis der erwähnten Fehlbesetzung von Agonoize in den kleinen Saal und nicht etwaiges Desinteresse an Zeraphine. Leider ließ sich die Band aber in irgendeiner Form davon irritieren, denn im Gegensatz zu den Auftritten, die ich noch aus früheren Zeiten im Gedächtnis habe, war das Konzert in Hamburg nicht sehr überzeugend. Sänger Sven Friedrich wirkte nervös, die Band insgesamt müde, so daß die guten Songs zunächst auch bei den wenigen Leuten wenig Anklang fanden. Beifall gab es dann aber gegen Ende für die einfühlsamen Worte Sven Friedrichs zum Thema des Abends und dem passenden Song „Wenn Du gehst“.
Setlist Die macht in dir No more doubts I feel your trace Niemand kann es sehen Nichts aus liebe Be my rain Die wirklichkeit Sterne sehen Ohne dich Inside your arms No tears Wenn du gehst
Rating Music 8 Performance 5 Sound 7 Light 7v Total 6,75
PROJECT PITCHFORK, (Main Stage)
Eine der wegweisenden Bands alternativer elektronischer Musik, die zunächst aus Peter Spilles und Dirk Scheuber bestand; später kamen noch Jürgen Jansen, Achim Färber sowie Carsten Klatte hinzu. Die Formation war nicht nur für vielbeachtete Alben und erfolgreiche Tourneen sowie Headlinerauftritte auf nahezu allen Szenefestivals bekannt, sondern auch für die eine oder andere mittlerweile berühmte Vorgruppe (Rammstein, Covenant, etc.). Nach einer auch kommerziell erfolgreichen Phase Anfang des Jahrtausends, ging die Popularität mit den anschließenden beiden eher introvertierteren Alben Inferno und Kaskade ein wenig zurück. Ungebrochen ist sie allerdings im Osten Deutschlands oder auch in Russland, wo 2005 ein Tribute-to-Pitchfork-Sampler entstand. http://www.pitchfork.de
Music & Performance Die Headliner begannen brachial und hielten dieses furiose Tempo auch über weite Strecken durch. Vor allem Gitarrist Carsten Klatte war es, der neben dem besonders gut aufgelegten Sänger Peter Spilles mit einem Set aus zumeist recht alten und härteren Songs aufs Tempo drückte. Höhepunkt gegen Ende zweifellos der inzwischen recht selten gespielte Hit aus dem Jahre 1992: ”Souls”. Im Gegensatz zum Darkstorm Festival im vergangenen Jahr, wo es noch exzellenten Sound und wenig Licht gegeben hatte, war es dieses mal eher umgekehrt. Die Lichtshow war großartig, nur der Klang dröhnte mitunter ein wenig zu laut und auch nicht ganz störungsfrei durch die Boxen. Dennoch gefiel mir der Auftritt aufgrund der Songauswahl und der größeren Dynamik auf der Bühne noch ein wenig besser als in Chemnitz. Zum Abschluß bekundete Keyboarder Dirk Scheuber noch mit einigen Worten seine Sympathie mit dem Volk von Tibet.
Setlist Intro (Drone Assembly) God Wrote IO Existence Carrion Requiem Terra Incognita Revolution Now Human Crossing K.N.K.A. Timekiller Mine En Garde Souls Rescue
Rating Music: 10 Performance: 9 Sound: 7 Light: 9 Total 8,75
Wer gegen drei Uhr in der Nacht noch nicht müde war, konnte anschließend entweder im Partybus der Band Lola Angst, der vor der Markthalle wartete, oder aber im Kir bei der offiziellen Aftershowparty weiterfeiern. Das Ereignis wurde von Crazy Clip Tv mit mehreren Kameras gefilmt, so daß zu gegebener Zeit auch die Abwesenden einen Eindruck von diesem Ereignis bekommen können.
In unserer Galerie findet man ausgewählte Bilder des Abends.
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