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Das Ganze war ja im Grunde spontan entstanden. Steve Naghavi war als DJ unterwegs und machte eine für ihn erschreckende Entdeckung: die jüngeren unter den Düstertempelbesuchern schienen die Hymnen der 80er Jahre nicht zu kennen. Was also wäre naheliegender, als eine CD mit Coversongs dieser Hymnen aufzunehmen, um diese Bildungslücke zu schließen. Das Ganze wurde also angekündigt, verschoben, zu einem ganzen Album vergrößert, wieder verschoben, mit einer Tour kombiniert und wieder verschoben. Warum auch immer es so lange dauert, das Album auf den Markt zu bringen, die Shows, die das Ganze präsentieren sollten, finden nun zum Glück bereits statt.
Und offenbar ist es so, daß die Leute nur darauf gewartet zu haben scheinen. Bereits der Vorverkauf lief überdurchschnittlich gut, einige Shows hatten bereits weit vor dem Konzerttermin keinerlei Karten mehr. So auch in Dresden, wo man in der Reithalle gastierte und nicht nur für ein mittleres Parkchaos sorgte, sondern auch traurige Fans hinterließ, die kartenlos geblieben waren. AND ONE ist derzeit sehr gefragt, was man auch an Headlinerpositionen bei Festivals merkt. Vielleicht wäre eine größere Location diesem Status angemessener, aber im Vergleich zu Leipzig paßte es in Dresden schon etwas besser.
Die meisten Leute waren bereits anwesend, als es den Support des Abends zu bestaunen gab. Allerdings waren in der Folgezeit ratlose Gesichter noch die freundlichste Reaktion auf das, was da auf der Bühne geboten wurde. Alexander Marcus, ein Schlagersänger, wie er im Buche steht, wurde ausgebuht, ausgepfiffen, mit allerlei zum Glück harmlosen Dingen beworfen. Sein Abgang und sogar das Herunterfallen seines Namensschildes wurden bejubelt. Ihn schien das nicht weiter zu tangieren, was man ihm einerseits hoch anrechnen darf. Andererseits fragt man sich schon, warum es denn unbedingt nötig war, einen solchen Mißstimmungsgaranten einzuladen.

Gegen 21.30 Uhr begann dann der eigentliche Abend. Der Vorhang fiel, das Licht leuchtete in einem seltsamen Pinkorange, das wohl an die Zeit erinnern sollte, die hier aufleben sollte. Wenn man Fan dieser Dekade sein sollte, hatte man nun mit Sicherheit großen Spaß; als jemand, der wie ich weit weniger begeistert von diesem musikalischen Jahrzehnt ist, war es erfreulich, daß Steve Naghavi auch eigene Songs präsentierte. Offenbar teilten viele Gäste meinen Geschmack, denn zu den gecoverten Versionen mochte nicht annähernd so viel Jubel entstehen, wie zu den AND ONE-eigenen Stücken. Eine Ausnahme bildete mal wieder die einzige Coverversion, dessen Original aus einer anderen Zeit stammt. Timekiller von Project Pitchfork sorgte wohl für den größten Jubel.
Der 80er Jahre Abend mit AND ONE Verstärkung hinterließ bei mir letztlich den Eindruck, daß es ganz gut ist, wenn man mal daran erinnert, welche Musik früheren Ansprüchen genügen konnte. Die Performance des Hauptdarstellers war einmal mehr grandios, Steve Naghavi glänzte sowohl als Tänzer als auch mit großer Stimme.

Setlist 01. The Suns alway shines on TV 02. Stand the Pain 03. Fools 04. Recover You 05. It´s a Sin 06. Timekiller 07. Big in Japan 08. Sometimes (And One) 09. Our House 10. The Walk 11. True Faith 12. Traumfrau 13. But not tonight 14. Get You Closer 15. Only You 16. The Great Commandment 17. A little Respect 18. Blue Mondy 19. Für 20. Smalltown Boy 21. So klingt Liebe 22. Military Fashion Show 23. Never let me down again 24. Sometimes (Erasure) 25. Techno Man 26. Rebel Yell 27. Klaus (acustic) 28. Pimmelmann (acapella)

Text + Bilder: Frank Buttenbender
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