Opus Ultimum

Festivalbericht: 1. Blackfield-Festival in Gelsenkirchen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Frank Buttenbender   
Freitag, den 11. Juli 2008 um 17:58 Uhr



Das Amphitheater in Gelsenkirchen war in diesem Jahr der Austragungsort für das erstmalig stattfindende Blackfield-Festival, das gleich bei seiner Premiere mit solch großen Namen wie Lacrimosa, Nitzer Ebb oder den Dreadful Shadows aufwarten konnte. Auftaktveranstaltungen haben ja mitunter mit Kinderkrankheiten zu kämpfen. Aber davon konnte an diesem ersten Juli-Wochenende in Gelsenkirchen keine Rede sein, allenfalls die Zuschauerzahl ließ an den ersten beiden Tagen ein wenig zu wünschen übrig. Am abschließenden Sonntag wurde dann auch dieses Manko wettgemacht.

FREITAG, 04.07.08

Der Freitag war zunächst nicht im Programm enthalten, aber aus diversen Gründen entschloss man sich dazu, diesen dritten Tag hinzuzufügen. Für einige ein wenig verwunderlich, daß eine solch etablierte Band wie THE PINK TURNS BLUE als Opener aufspielen sollten, was diese aber nicht davon abhalten sollte, ihre Sache souverän über die Bühne zu bringen. STROMKERN, die sich daran anschlossen, waren für mich das Highlight an diesem ersten Tag. Recht einzigartige Klänge mischten sich mit einer sehr energiegeladenen Show. Es ging daran anschließend mit Andy La Pleguas Projekt ICON OF COIL weiter; einer ebenfalls temeramentvollen Angelegenheit, die ganz offenbar einige Fans zu haben schien. Co-Headliner des ersten Tages waren die Berliner DREADFUL SHADOWS, die seit einem Jahr eine recht merkwürdige Reunion-Tour machen. Merkwürdig deshalb, da man einerseits keine neuen Songs aufnehmen möchte und das Kapitel im Grunde an Zeraphine weitergegeben hat, andererseits aber solch einen Spaß am Konzerte geben zu haben scheint, daß man damit nicht mehr aufhören möchte. Routiniert und von einem überragenden Sven Friedrich getragen konnte es dennoch nicht zu ausgelassener Stimmung auf den Rängen führen. Die Fanschar war recht übersichtlich. Umgekehrte Vorzeichen dann bei BLUTENGEL, die bekanntermaßen eher auf das Spektakel setzen, was aus viel nackter Haut, Kunstblut und Feuerwerk besteht. Ein wenig wird dadurch kaschiert, wie inhaltsarm und stimmlos das Ganze vonstatten geht, aber einem wirklichen Fan dieser Kombo dürfte gerade dies am wenigsten interessieren. Ein gutaufgelegter und wieder mal reichlich selbstsicher wirkender Chris Pohl war sichtlich zufrieden mit seinem Vortrag, auch wenn er diese Einschätzung nicht mit allen teilte. Eine theatralische Note mit gewissem Unterhaltungswert kann man der Band dennoch nicht absprechen.


SAMSTAG, 05.07.08
Der Samstag startete mit dem schwedischen Electroprojekt COLONY 5, das mit großartigen Melodien und Rhythmen aufwarten konnte. Bei IRIS durfte man nicht nur zwei Bekannte vom großartigen Stromkern-Auftritt tags zuvor wiedererleben, sondern auch das Improvisationstalent der Band, die zunächst mit technischen Problemen zu kämpfen hatte. Ein wenig enttäuschend war für mich der Auftritt von SOLAR FAKE, dem elektronischen Projekt von Sven Friedrich. Auch wenn er sich sehr bemühte, wirkte der Vortrag nicht annähernd so kraftvoll wie bei den DREADFUL SHADOWS, wenn man allerdings gleichzeitig einräumen sollte, daß Solar Fake wohl eher auf kleinere Clubs als auf die großen Festivalbühnen abzielt. Ganz und gar nicht enttäuschend, sondern vielmehr überragend geriet der nächste Programmpunkt. DIORAMA, die für meinen Geschmack viel zu selten und dann an mitunter seltsam abgelegenen Orten auftreten, legten eine unglaublich dynamische Show hin, was in Verbindung mit den ohnehin großartigen Songs zu einem der Höhepunkte des gesamten Festivals geriet. Kleine Aufregung nur nach dem dritten Song, als sich Sänger Torben bei einem kleinen Sturz zum Glück nichts tat und dies mit einem lakonischen "Ich lebe noch" bekanntgab. Eric Burton von CATASTROPHE BALLET überzeugte nicht nur durch eingängige Gothicrock-Nummern, sondern auch durch seine mitunter witzigen Sprüche. Gaststar Oswald Henke verlieh dem Kurzvortrag noch ein wenig mehr Power, als er bereits so schon hatte. Anschließend gab es ein Wiedersehen mit einer anderen Szenegröße. Ronan Harris präsentierte sein seltsames Sideprojekt MODCOM. Zumindest live wirkt es schon ein wenig eigenartig, wenn man einen Mann zwischen seinen diversen Gerätschaften eingeklemmt wirken sieht und man weiß, wozu er sonst noch in der Lage ist. Die Show geriet für meinen Geschmack zu zurückgenommen, eventuell hätten ein paar Tänzerinnen dem ganzen Treiben mehr Schwung verliehen. Nachdem bei Herrn Harris viele nur verwundert waren, so waren sie anschließend mit Sicherheit entsetzt. SAMSAS TRAUM, ehemals eine der ambitioniertesten Szenebands überhaupt, die vor kreativem Output nur so strotzten, präsentierten eine ohrenbetäubende Blackmetalnummer nach der nächsten. Möglicherweise ist es auch ein wenig die Lust an der Provokation, die Alexander Kaschte zu so einer solchen Wandlung bewogen hat, oder das destruktive Verlangen, die recht stromlinienförmigen Klänge der a.ura-Zeit vergessen zu machen. Man darf sich eine erneute Wandlung vorstellen, erhoffen muß man sie dringend. Der Headliner des zweiten Tages war dann wie die beiden anderen Tagesletzten in der glücklichen Lage in relativer Dunkelheit, also angemessener optischer Atmosphäre zu agieren. NITZER EBB brachten die beachtliche Fanschar problemlos zum tanzen und geizten auch selbst nicht mit eigenen Bewegungen. Für mich ist es ein bleibendes Phänomen, wie eine Band nach solch langer Veröffentlichungsabstinenz noch über einen solchen Stellenwert verfügt wie die Herren Douglas McCarthy und Co.



SONNTAG, 06.07.08

Am Sonntag war von Anfang an ein größerer Publikumszuspruch spürbar, was natürlich vor allem an den beiden letzten Bands liegen mochte, die beide über ein gewaltiges Fanpotential verfügen. Vielleicht hatte sich ja auch inzwischen herumgesprochen, was für ein gutbesetztes Festival im Gelsenkirchner Nordsternpark stattfindet. Für mich begann der Tag mit SCHELMISCH, die mit einer gehörigen Portion Spaß ans mittelalterliche Werk gingen, musikalisch aber ebenso wenig meinen Geschmack trafen, wie die aus einer völlig anderen Ecke stammenden REAPER. Letztere konnten mich allerdings mit ihrer kraftvollen Show überzeugen. Ein wenig grenzwertig waren dagegen schon HEIMATAERDE, die mit ihrem Raubritterelectropop ein wenig zu abgefahren auf mich wirkten. Wesentlich seriöser, aber ein Stückchen langweiliger war dann der Auftritt von ASSEMBLAGE 23, die ihre großartigen Songs leider nicht immer mit bester Livestimme versahen. SPETSNAZ wirkten danach auf mich ein wenig wie ein schlechtgelaunter und vor allem schlecht inszenierter Nitzer Ebb-Clone. Viel besser dagegen die Leistung von [:SITD:] die zugleich kraftvoll und gutgelaunt ans Werk gingen. Ihre große Fangemeinde dankte es ihnen lautstark. Endlich etwas neues gab es bei den CRÜXSHADOWS, die einige Personen im Umfeld um Sänger Rogue austauschten. Hervorzuheben ist hierbei vor allem die unglaubliche Show der Gitarristin Valerie Gentile, die teilweise sogar Rogue die Show stehlen konnte. Die Schandmäuler machten ihrem Bandnamen anschließend alle Ehre, in dem sie Teile des Publikums beschimpften, die nicht ganz auf der mittelalterlichen Linie zu marschieren schienen. Von diesem Ärgerniß abgesehen überzeugte aber die Leistung der vielköpfigen Rockband durchaus. Unbestrittener Höhepunkt war zum Schluß der Auftritt von LACRIMOSA, der durch seine diesjährige Einzigartigkeit innerhalb Deutschlands zusätzlich an Bedeutung gewann. Die zugleich gefühlvoll wie auch sehr rockige Livemusik wurde mit einer furiosen Licht und Videoshow kombiniert. Die Stimmung auf den Rängen war entsprechend feierlich und dem Ereignis angemessen.
Als Fazit kann man von einem sehr gelungenen Festivalstart sprechen mit einer nahezu perfekten Organisation und einigen musikalischen Leckerbissen, die man so nicht alle Tage zu Gesicht und Gehör bekommt. Als Headliner für das nächste Jahr wurden bereits VNV NATION sowie ASP in Aussicht gestellt.



Bericht + Bilder: Frank Buttenbender
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