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Ein knappes halbes Jahr ließen sich Combichrist seit der Veröffentlichung ihres aktuellen Longplayers „Making Monsters“ Zeit, um auf Tour zu gehen und die Live-Tauglichkeit der neuen Stücke unter Beweis zu stellen. In den letzten beiden Jahren waren Andy LaPlegua & Co. hauptsächlich auf Festivals sowie als Support von Rammstein in Erscheinung getreten und das neue Album war entsprechend die passende Gelegenheit, sich in eigener Sache zu präsentieren.
Allein die Tatsache, dass der Auftritt im Backstage „Werk“ stattfand und nicht kurzfristig in eine kleinere Halle verlegt wurde, war ein erstes Anzeichen dafür, dass viele Tickets im Vorverkauf über den (virtuellen) Ladentisch gegangen waren und mit einer entsprechenden Zuschauerzahl zu rechnen war.
Das musikalische Programm startete pünktlich um kurz nach 20 Uhr mit einer Überraschung: völlig unerwartet betraten CENTHRON die Bühne, die weder auf der Webseite des Veranstalters noch auf dem Tickets angekündigt waren. Das Trio aus Bremen hatte eingängigen Industrial mitgebracht, den Sänger Elmar Schmidt selbstbewusst präsentierte. Sowohl Musikstil als auch Performance passten hervorragend als Einstimmung auf den Headliner des Abends und einige Zuschauer nutzen den Auftritt fleißig als Warm-Up.
Informationen zur Band: http://www.myspace.com/centhron
Wer dachte, hier hätte lediglich ein kurzfristiger Austausch der Vorgruppe stattgefunden, der wurde einige Zeit später eines Besseren belehrt, denn anschließend erschienen tatsächlich MORTIIS als zweiter Support Act auf der Bildfläche. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern konnte bei den Norwegern von Eingängigkeit keine Rede sein: aus den Boxen dröhnte harter Industrial Rock, der die Gehörgänge in Rekordzeit frei fegte. Das Quartett aus Oslo bevorzugte auch optisch ein eher krachiges Ambiente, die Bühne wurde nur sehr dezent beleuchtet und von regelmäßigen Lichtblitzen erhell. Die Energie, welche die Bandmitglieder in ihren Auftritt legten, konnte deshalb nur erahnt werden und die Begeisterung des Publikums war sehr überschaubar.
Informationen zur Band: http://www.mortiis.com http://www.myspace.com/mortiis1 http://www.facebook.com/pages/Mortiis/25943259441?ref=ts
Gegen 22 Uhr war es endlich Zeit für den Headliner des Abends und COMBICHRIST wurden von der gut gefüllten Halle begeistert empfangen. Die Band startete zum Aufwärmen mit „Just Like Me“, einem der eher langsameren Stücke des neuen Albums, dessen Energie Frontmann Andy La Plegua von Beginn an mit kraftvollen Bewegungen präsentierte und damit das Publikum sofort fest im Griff hatte. Spätestens beim dritten Stück „Today I Woke To The Rain Of Blood“ war es endgültig vorbei mit der bayrischen Gemütlichkeit, insbesondere in der vorderen Hälfte der Halle gab es kein Halten mehr und das Publikum tobte gemeinsam mit den vier Jungs aus Atlanta. Andy LaPlegua schritt in kraftvollen Bewegungen fast pausenlos die Bühne ab, als würde er Kilomentergeld dafür bekommen und unterstrich das Ganze mit herausfordernden Gesten in Richtung Publikum – eine Rampensau par Excellence, anders kann man diese Performance und seine Erscheinung nicht bezeichnen. Seine Bandkollegen standen ihm in nichts nach; insbesondere Joe Letz und Trevor Friedrich bearbeiteten ihre Schlagzeuge, als würde ihr Leben davon abhängen und hatten selbst während der schnelleren Stücke genug Zeit für Kunststücke mit den Drumsticks. Neben der Optik war auch die Akustik sehr unterhaltsam – die elektronische Musik erhält durch die beiden Schlagzeuge live eine ganz eigene Energie und Kraft, der man sich insbesondere in Verbindung mit der Performance nur schwer bis gar nicht entziehen kann. Combichrist lieferten einen mitreißenden Auftritt ab, der mit „Slave To Machine“, „Follow The Trail Of Blood“, „Throat Full Of Glass“, „Fuckmachine“ und „They“ viele Stücke des neuen Albums beinhaltete. Aber auch Klassiker wie „Get Your Body Beat“ und „Blut Royale“ durften natürlich nicht fehlen – keine Frage, dass nach „Never Surrender“ als Abschluss der regulären Setlist auch die hinteren Reihen eine Zugabe forderten. Die vier Jungs aus Atlanta kamen noch zweimal zurück auf die Bühne und legten unter anderem mit „What the f**k is wrong with you“ nach, bis Joe Letz den Auftritt endgültig und unmissverständlich beendete, indem er sein Instrument kurzerhand über der Bühne verteilte.
Als das Licht in der Halle wieder anging, sprachen viele irritierte Gesichter dafür, dass die Zuschauer noch immer nicht genug hatten - aber es half alles nichts, der Auftritt war zu Ende und auch mit insgesamt ca. 80 Minuten sicher nicht der längste gewesen, den man von einem Headliner erwarten kann. Wenn diese aber so ausgefüllt bzw. abgeliefert werden wie von Combichrist an diesem Abend in München, dann ist das kein Grund zur Beschwerde, sondern dennoch ein anerkennendes „This S*it Will Fcuk You Up“ wert.
Informationen zur Band: http://www.combichrist.com http://www.myspace.com/combichrist
Bericht, Foto: Vanessa Meidinger. In unserer Galerie gibt es weitere Konzertfotos.
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