Opus Ultimum

Festivalbericht: Amphi Festival 2012 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Vanessa Meidinger   
Freitag, den 27. Juli 2012 um 05:24 Uhr



Nicht mehr aus der Festival-Landschaft der schwarzen Szene wegzudenken ist das Amphi Festival, das mit der diesjährigen achten Auflage seiner Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzufügte. Wie beliebt das Festival inzwischen auch über die deutschen Grenzen hinaus ist, bewiesen zum einen der – wieder einmal – ausverkaufte Vorverkauf, zum anderen die unterschiedlichsten Sprachen, die man auf dem Gelände vernehmen konnte. Die Veranstalter hatten sich im Vorfeld nicht auf den Lorbeeren der vergangenen Jahre ausgeruht, sondern neben Altbewährtem – hier sei nur beispielhaft die umfangreiche Händlermeile und der Beach Club genannt – einige Änderungen vorbereitet, um den Besuchern das Wochenende am Tanzbrunnen noch angenehmer zu gestalten. So standen u.a. erstmals Schließfächer zur Verfügung, die kostenlose Trinkwasserversorgung wurde um einen zweiten Wasserhahn aufgestockt und das Amphi Café schloss am ersten Festivaltag erst Sonntagnacht um 2 Uhr seine Türen.
Für das musikalische Programm auf den beiden Bühnen hatte man sich der kompletten Bandbreite, die die Szene zu bieten hat, bedient und es ging mal ruhiger, mal krachiger, mal rockiger oder mal elektronischer zur Sache. Auch die Mischung zwischen Publikumsmagneten und Bands, die man eher selten live erleben kann, war sehr ausgewogen.
Vervollständigt wurde das Programm durch Lesungen, Diskussionen und weitere Konzerte im Theater, in dem an beiden Festivaltagen im Anschluss an die Auftritte eine Aftershowparty mit namhaften DJs bis in die frühen Morgenstunden stattfand. Über mangelnde Abwechslung konnte man sich definitiv nicht beschweren – höchstens über die zeitlichen Überlappungen der Bands bzw. Programmpunkte und der damit einhergehenden Notwendigkeit, Prioritäten zu setzen bzw. Entscheidungen zu treffen. Man möge es deshalb verzeihen, dass nicht jeder Auftritt in unserem Bericht berücksichtigt werden kann.
Das ganze Wochenende war übrigens – festival-unüblich – regenfrei! Die Temperaturen bewegten sich im angenehmen T-Shirt-tauglichen Bereich und am Sonntag durfte man zeitweise sogar die Sonnencreme und –brille auspacken.

So viel zu den Rahmenbedingungen, nun zu unserem musikalischen Rückblick.


Samstag, 21. Juli 2012

A Life Divided (Mainstage)
Der erste Festivaltag begann für mich mit A Life Divided auf der Mainstage, vor der sich trotz der verhältnismäßig frühen Stunde zahlreiche Festivalbesucher eingefunden hatten. Das Quintett lieferte einen erfrischenden Auftritt mit viel Leidenschaft ab und Frontmann Jürgen Plangger bezog das Publikum von Beginn an erfolgreich mit ein: insbesondere in den vorderen Reihen wurde unermüdlich mitgeklatscht. Neben den eigenen Stücken hatte man auch noch die VNV Nation-Hymne „Perpetual“ als Cover-Version mitgebracht; ich war zunächst skeptisch, ob der Song auch in der gitarrenlastigen Variante funktioniert, wurde aber umgehend eines Besseren belehrt. Ein überzeugender Auftritt der Jungs aus München, der Lust auf mehr machte.

Tyske Ludder (Staatenhaus)
Inzwischen hatten Tyske Ludder Stellung auf der Bühne im gut gefüllten Staatenhaus bezogen. Die Electro-Pioniere lieferten einen Auftritt ab, der definitiv nicht in die Kategorie „leichte Kost“ fällt. Unter anderem kamen eine israelische Flagge und eine Plastikmaske in Kombination mit einer Zwangsjacke zum Einsatz, die nicht den Anschein einer reinen Show-Einlage machten – vermutlich deshalb, weil die beiden Herren am Mikrophon durch ihre Mimik und Gestik eine gewisse Eindringlichkeit ausstrahlten. Etwas aufgelockert wurde das Ganze durch einen Gastauftritt von Jay Smith (Deviant UK), der Claus Albers einen Song lang am Mikro unterstützte. Ich fand allerdings keinen Zugang zu der Musik bzw. dem Auftritt, so dass ich anschließend auf den Rest des Konzertes verzichtete.

mind.in.a.box (Mainstage)
Nach 2011 hatte man die österreichische Band mind.in.a.box zum zweiten Mal in Folge für das Amphi Festival verpflichtet und mit einem besseren Platz im Programmablauf als im Vorjahr versehen. Das hatte sicherlich seine Gründe – die sich mir allerdings weder am Samstag noch im Rückblick erschließen. Denn obwohl das Duo für den Auftritt zusätzliche Musiker mit auf die Bühne gebracht hatte, wollte sich zumindest bei mir keine live-Atmosphäre einstellen. Sänger Stefan Poiss verschanzte sich hinter seinem Keyboard und war ausschließlich mit sich und seinem Instrument beschäftigt. Dass sein Gesang größtenteils über einen Stimmverzerrer lief, machte die Situation umso befremdlicher. Immerhin war der Zuschauerraum vor der Mainstage gefüllt und Interesse an dem Auftritt durchaus vorhanden – meines nach zwei Stücken allerdings erloschen.

Seabound (Staatenhaus)
Also wechselte ich ins Staatenhaus, wo Seabound gerade die Bühne betraten. Die Band startete relativ verhalten in ihren Auftritt, doch wer sich nun auf ein ruhiges Programm einstellte, musste seine Erwartungshaltung schon beim zweiten Song korrigieren. Der Sound wurde kräftiger und Frontmann Frank M. Spinath zauberte mit viel Gefühl und Bühnenpräsenz eine Atmosphäre in die Halle, der man sich kaum entziehen konnte. Durch sämtliche Reihen hindurch bewegte sich das Publikum zur Musik und belohnte jeden Song mit begeistertem Applaus. Prädikat: sehenswert!

Assemblage 23 (Staatenhaus)
Assemblage 23 übernahmen im Anschluss die Bühne im Staatenhaus und damit die Aufgabe, die elektronisch- bzw. nicht-mittelalterlich-orientierten Festivalbesucher (Corvus Corax spielte parallel auf der Mainstage) für die kommenden 45 Minuten zu unterhalten. Für Tom Shear & Co. scheinbar keine allzu große Herausforderung: souverän absolvierten die Herren aus Seattle einen ordentlichen Auftritt, an dem es nichts auszusetzen, aber auch nichts besonders erwähnenswertes gab. Das Publikum war auf jeden Fall zufrieden – in diesem Sinne: Mission erfüllt.

Camouflage (Mainstage)
Nostalgische Gefühle dürfte der Auftritt von Camouflage bei dem einen oder anderen Festivalbesucher geweckt haben, lassen sich die bekanntesten Stücke doch in die 1980er Jahre zurückdatieren. Ein fesselndes Hintergrundbild, auf dem der Ausschnitt eines Frauengesichts mit schon fast hypnotisch wirkenden Augen zu sehen war, dominierte die Bühne und wurde von der Lichtshow wirkungsvoll unterstrichen. Sänger Marcus Meyn legte viel Emotion und Bewegungsfreude an den Tag und auch seine Bandkollegen hatten offensichtlich viel Spass an dem Auftritt. Ein gelungenes und stimmungsvolles Gesamtpaket, das mich zwar nicht wirklich mitgerissen hat, ich mich aber umgekehrt auch nicht losreißen konnte. Unter anderen Wetterbedingungen wäre das vermutlich anders gewesen, für einen lauen Sommernachmittag war es aber das genau richtige Programm und die Band verabschiedete sich – natürlich – mit „The Great Commandment“ und unter viel Applaus vom Publikum.

Haujobb (fb - Staatenhaus)
2008 gab es beim Amphi-Festival das Abschiedskonzert von Haujobb. Glücklicherweise war dieser Abschied nicht von langer Dauer, denn bereits im Jahre 2011 gelang dem Hauptprojekt von Daniel Myer mit dem neuen Album „New World March“ sowie dem Live-Come back beim E-Tropolis Festival eine eindrucksvolle Wiedergeburt. In Köln 2012 war man vielleicht eine Spur zu früh an der Reihe, was aber nichts daran änderte, dass das Staatenhaus mit brachialen Stücken wie „Let's drop bombs“ oder „Dead Market“ gerockt wurde. Haujobb beweisen zudem, dass elektronische Musik durchaus auch live dargeboten werden kann und gleichzeitig außergewöhnlich gut klingt.

Eisbrecher (Mainstage)
Mit der gemütlichen Stimmung war es im Nu vorbei, als Eisbrecher die Bühne betraten und umgehend eine härtere Gangart einlegten. Frontmann Alexx Wesselsky zeigte nicht nur gesangliche, sondern auch Entertainer-Qualitäten und führte mit charmanter Coolness und Humor durch das musikalische Programm. Extra für das Amphi wurde die sogenannte Publikumskamera eingeführt: den anwesenden Festivalbesuchern wurde eine Kompaktkamera mit der Aufgabe überreicht, den Auftritt aus ihrer Sicht – z.B. mit einem Foto oder Video – zu dokumentieren und diese am Schluss wieder zurück an die Band zu geben. Die Zuschauer konnte man ohnehin nicht als solche, sondern eher als Mitwirkende bezeichnen, wurde doch jeder Song tatkräftig mitgefeiert. Kapitän Alexx ließ es sich – trotz Beschwerden nach dem WGT-Auftritt – nicht nehmen, auf die geographische Herkunft der Band in Form einer kleinen Jodeleinlage (in Trachtenhut und Weste) sowie dem Schwenken der bayrischen Flagge hinzuweisen. Man wolle ja schließlich Spaß bei der Sache haben. Der hörte allerdings beim Anblick eines bestimmten Kleidungsstückes im Publikum auf und veranlasste den Eisbrecher-Sänger, spontan eine Abstimmung bzgl. dem Verbot von Holzfällerhemden auf dem Amphi-Festival zu starten (für das Protokoll: er selbst zeigte seine Zustimmung per Handzeichen an). Eine Heiden-Gaudi für Publikum und Band, die ihren Auftritt „stilecht“ mit dem Wurf von Plüsch-Eisbären beendeten.

The Sisters of Mercy (Mainstage)
Ein Beispiel dafür, dass ein einmal erreichter Kultstatus kein Verfallsdatum hat, sind The Sisters of Mercy – Beweis hierfür war nicht nur die Tatsache, dass man die Band ganze zwanzig Jahre nach ihrem letzten Album als Headliner auf der Mainstage für den ersten Festivaltag verpflichtet hatte, sondern vor allem die Scharen an Besuchern, die sich den Auftritt nicht entgehen lassen wollten. Und das trotz – so sollte man meinen – durchaus konkurrenzfähigen Alternativen im Staatenhaus. Doch da hatte ich die Anhängerschaft der Band weit unterschätzt, die das Konzert vom ersten bis zum letzten Ton mit unglaublich viel Leidenschaft begleiteten und für mich das eigentliche Highlight dieses Auftritts waren. Sänger Andrew Eldritch überließ den Bühnenrand-Bereich seinen Kollegen an den Gitarren und hielt sich bevorzugt im Hintergrund auf, verschwand aber mangels Dauernebel zumindest nicht aus dem Blickfeld. Im Vordergrund des Auftritts durch die dezente Show und dem ausgesprochen guten Sound die Musik, deren Höhepunkt eine Piano-Version von „This Corrosion“ war, wunderschön interpretiert von der Dame am Keyboard. Ein richtig guter Auftritt der Engländer, der vor allem dank dem oben bereits erwähnten Publikum eine ganz spezielle Atmosphäre hatte.



Apoptygma Berzerk (Staatenhaus)
Viel Zeit blieb mir nicht mehr für Apoptygma Berzerk, trotzdem begab ich mich noch einmal ins Staatenhaus, um mir wenigstens die letzten zwanzig Minuten anzusehen. Mich erwartete eine volle Halle, in der sowohl die Temperatur als auch die Stimmung auf einem ziemlich hohen Level war. Die Band aus Norwegen zeigte sich alles andere als unterkühlt, insbesondere Frontmann Stefan Groth ließ dem Publikum keine Verschnaufpause und forderte kontinuierlich eine aktive Beteiligung ein. Mit einer Runde „Old-School-APOP“ endete der umjubelte Auftritt der Skandinavier.

Sonntag, 22. Juli 2012

Schöngeist (fb - Staatenhaus)
Frühes Aufstehen lohnt sich manchmal doch. Im Falle der Münchner Band Schöngeist sowieso, denn der Opener des Staatenhaus-Sonntags punktete in mehreren Kategorien. Zum einen wäre da der charismatische Sänger Timur Karakus, der mit seiner gewinnenden Art und guten Stimme für Begeisterung sorgt. Zum anderen ein druckvoller Sound einer Rock-Band, die für ihr junges Alter erstaunlich reif zu Werke geht. Eine Formation mit Zukunft, keine Frage. Detail am Rande: Drummer Nook durfte nicht nur den Tag in dieser Location eröffnen, er beendete ihn spätabends auch bei seinem Auftritt für Headliner Project Pitchfork.

Ecki Stieg (fb - Theater)
Ecki Stieg gilt zurecht als Meister der scharfen Zunge und des hellsichtigen Blicks auf die Welt. Im Grunde auch kein Wunder, denn kaum ein Zweiter verfügt über ein vergleichbares Wissen über die Dinge, die die Schwarze Szene und die Musikwelt an sich ausmachen. So war es an der Zeit für eine Lesung im Theater des Tanzbrunnens, die aus zynisch-satirischen Betrachtungen über den heutigen Gothic sowie einige seiner Szene-Prominenten im speziellen Bestand. Zudem gab es mit einem im Rollenspiel vorgetragenen Facebook-Chat einen Blick auf die heutige Art des Kommunizierens. Die Lesung war ein erfreulicher Beweis dafür, dass kritische Geister auch bei ansonsten kommerziell orientierten Veranstaltungen noch eine Plattform erhalten. Wer das verpasst hat, darf sich jetzt ärgern.

Aesthetic Perfection (Mainstage)
Nach einem etwas ausgedehnterem Bummel über das Festivalgelände, während dem ich das Angebot der Händler etwas genauer unter die Lupe nahm, fand ich mich pünktlich zum Aufritt von Aesthetic Perfection wieder vor der Mainstage ein. Daniel Graves nahm sofort selbstbewusst die Bühne und das Publikum in Beschlag, während seine beiden Kollegen buchstäblich an ihren Instrumenten wirbelten. Die anwesenden Festivalbesucher hatten nicht den Hauch einer Chance, sich die Darbietung erst einmal in Ruhe anzusehen – der Energiestrom aus Musik und Show, der von der Bühne ausging, schaffte es problemlos bis in die hinteren Zuschauerreihen. Ein unterhaltsamer, mitreißender und absolut gelungener Auftritt.

Stahlzeit (Mainstage)
Weniger kreativ ging es im Anschluss mit Stahlzeit weiter, die sich darauf spezialisiert haben, das Erfolgskonzept von Rammstein so originalgetreu wie möglich umzusetzen: die gleichen Stücke, das gleiche Bühnen-Setup, die gleiche Performance. Die Frage, ob eine reine Cover-Band überhaupt eine Daseins-Berechtigung auf einem Festival hat bzw. haben sollte, stellte sich nicht wirklich – dank dem hohen Bekanntheitsgrad des musikalischen Vorbildes machte das Publikum von Beginn an kräftig mit und die Jungs machten ihre Sache auch wirklich gut.

The Crüxshadows (Mainstage)
Nächster Programmpunkt auf der Mainstage war die siebenköpfige Truppe The Crüxshadows, die als eine der wenigen Bands – wenn nicht sogar als einzige Band –an diesem Wochenende anmoderiert wurde. Frontmann Rogue zeigte bereits vor Beginn des Auftritts Publikumsnähe, indem er sich seinen Weg auf die Bühne durch die Zuschauer bahnte und sich dabei sogar Zeit für ein Erinnerungsfoto mit einem Fan nahm. Ein sympathischer Auftakt, dem eine außergewöhnliche Darbietung folgte, deren Ausnahmestellung sich aus mehreren Faktoren zusammensetzte. Da wäre zum einen die ungewöhnliche Konstellation der Gruppe, zu der u.a. zwei Tänzerinnen zählen und zu jedem Stück eine Choreographie präsentieren. Zum anderen hat wirklich jedes Bandmitglied eine ganz eigene Bühnenpräsenz, so dass man kaum wusste, wohin man zuerst schauen sollte. Im Zweifelsfall auf Sänger Rogue, der dank Headset-Mikrofon eine buchstäblich grenzenlose Bewegungsfreiheit hatte und diese u.a. dazu nutzte, um die seitlichen Bühnengerüste zu erklettern. So ungewöhnlich der Auftritt einerseits war, so abwechslungsarm war er andererseits und verlor nach einer Weile seinen Reiz. Nichtsdestotrotz hatte ich am Ende richtig gute Laune.

18 Summers (Staatenhaus)
Pünktlich mit dem neuen Album gaben 18 Summers einen ihrer seltenen Fesivalauftritte . Zu diesem Ereignis hatten sich zahlreiche Besucher im Staatenhaus eingefunden, das in stimmungsvolles Licht getaucht war. Als erstes bemerkte ich ein goldenes Gestell mit Totenkopf in der Bühnenmitte, das als Getränke- und Notenständer diente –mein Blick fiel im Laufe des Auftritts automatisch immer wieder auf diese Konstruktion und machte es schwer, sich für eine längere Zeit auf die Musiker zu konzentrieren. Die melancholischen Klänge in Kombination mit der ruhigen und gefühlvollen Präsentation durch Felix Flaucher zauberten eine feierliche Atmosphäre in die Halle, die nur zwischen den Songs durch den begeisterten Applaus des Publikums unterbrochen wurde. Ein wunderschöner Auftritt, den ich leider vorzeitig verlassen musste.

Mono Inc. (Mainstage)
Den Auftritt von Mono Inc. wollte ich keinesfalls verpassen und erreichte die Mainstage in dem Moment, in dem Sänger Martin Engler nun schon traditionell seine Akustikgitarre auspackt, um die Textsicherheit und Lautstärke des Publikums zu Iggy Pops „The Passenger“ auf die Probe zu stellen. Das Ergebnis war erschütternd und wurde von Martin Engler auch entsprechend kommentiert. Eine zweite Chance bekam das Publikum mit dem Einsatz für den inzwischen ebenfalls traditionellen Dreh der aktuellen Mono Inc. TV-Folge und wusste diese lautstark zu nutzen. Anschließend legte das Quartett aus Hamburg selbst wieder Gas und heizte den anwesenden Besuchern so nachhaltig ein, dass selbst der Frontmann am Ende des Auftritts seinen Mantel ablegte. Ein umjubelter, unterhaltsamer Auftritt, mit dem sich Mono Inc. in meinen Augen für zukünftige (Co-)Headliner-Positionen empfahl.

Conjure One (Staatenhaus)
Im Staatenhaus gab es im Anschluss mit Conjure One einen ebenfalls seltenen Festivalgast. Schon das Bühnenbild mit drei LED-Leinwänden, zwischen denen ein Schlagzeug und ein Mischpult platziert waren, war vielversprechend und der perfekten Rahmen für die atmosphärische Musik, die entweder rein instrumental oder von einer Sängerin, deren Namen mir leider nicht bekannt ist, präsentiert wurde. Besonders bejubelt wurden die Momente, in denen Mastermind Rhys Fulber das Mischpult verlies und selbst das Mikrofon ergriff. Der Auftritt war ein einziges audiovisuelles Gesamtkunstwerk, der mit „Silence“ – einem Song aus ehemaligen Zeiten mit Delerium – einen wunderschönen Abschluss fand.

Combichrist (Staatenhaus)
Einer der derzeit wohl beliebtesten Live-Acts dürften Combichrist sein, die sich gefühlt seit Jahren auf Dauertour befinden und regelmäßig für Festivals gebucht werden. Und da die Jungs um Andy LaPlegua immer für Überraschungen gut sind, durfte man dem Auftritt durchaus mit Spannung entgegenblicken. Und genau das taten eine Menge Festivalbesucher: das Staatenhaus war gerammelt voll und die Atmosphäre bereits vor dem Auftritt deutlich elektrisiert. Als nach dem Intro dann endlich vier Jungs und ein lebensgroßes Plüschtier – das sich kurz darauf als Andy LaPlegua entpuppte – auf der Bildfläche erschienen, entlud sich die aufgestaute Spannung und es gab kein Halten mehr. Frontmann Andy LaPlegua tobte auf der Bühne umher während Joe Letz sein Schlagzeug regelmäßig über selbige verteilte und Neu-Besetzung Shaun Frandsen zunehmend Gefallen daran fand, mit Teilen seiner Musikinstrumente über die Bühne zu laufen. Neben diesem Chaos wirkten Abbey Nex und Z Marr schon fast normal. Vor der Bühne ragten bzw. flogen neben hunderten Händen auch die Köpfe von zwei Einhörnern in die Luft – ein bizarres, chaotisches und amüsantes Gesamtbild zugleich. Ein Auftritt voller Chaos und Energie, den sicher niemand, der dabei war, so schnell vergessen wird.



And One (fb - Mainstage)
And One setzten auf der Hauptbühne einen sanfteren Gegenpol zur rauhen Elektronik, die sich im Staatenhaus die Ehre gab. Steve Naghavi schien etwas gehandicapt, denn sowohl Stimme als auch Stimmung habe ich bei ihm wesentlich besser in Erinnerung. Nichts desto trotz bot die nach Berlin zurückgekehrte Band (der Hinweis auf England blieb rätselhaft) eine solide und jeder Zeit Headliner-würdige Vorstellung, die neben all den bekannten Hits auch vereinzelt Songs des aktuellen Meisterwerks S.T.O.P präsentierte. Da eine Covershow pro Tag für meinen Geschmack völlig ausreicht, war es auch kein Fehler, dass auf die ursprünglich geplanten Depeche Mode Songs im Programm verzichtet wurde.

Project Pitchfork (Staatenhaus)
Die Ehre des allerletzten Auftritts und des offiziellen Festivalabschlusses wurde in diesem Jahr Project Pitchfork zuteil, die sich in einem ungewöhnlichen Setup präsentierten: Dirk Scheuber fehlte, dafür war ein zweiter Schlagzeuger hinzugekommen. Ein gut aufgelegter Peter Spilles freute sich darüber, die Festivalbesucher „zu Grabe“ bringen zu dürfen und löste diese Aufgabe gemeinsam mit seinen Kollegen in Form eines kraftvollen Auftritts, der durch raffinierte Lichteffekte geschickt in Szene gesetzt wurde. Der Großteil des Publikums wollte sich nach dem regulären Set damit noch nicht zufrieden geben und wurde mit „Souls“ als Gute-Nacht-Lied belohnt – ein wundervoller, stimmiger Abschluss für das Festivalwochenende.

Fazit:
Die Veranstalter haben mit hervorragender Organisation und einem hochkarätigen Programm ideale Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Festivalwochenende geschaffen, das die Bands und die Besuchern zu einem absolut gelungenen Erlebnis mit vielen schönen Erinnerungen gemacht haben. Danke Amphi!

Bericht + Foto Combichrist: Vanessa Meidinger
Ergänzungen (fb) + Fotos: Frank Buttenbender.
Weitere Fotos des Festivals findet man in unserer Galerie.

 

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