Opus Ultimum

Festivalbericht: Nordstern-Festival 2012 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ina Pusch   
Dienstag, den 31. Juli 2012 um 06:28 Uhr



Nach der gelungenen Premiere im letzten Jahr stand nun endlich die Fortsetzung des Nordstern Festivals an. Zwei Tage volles Programm in der Hansestadt, einschließlich dem lustigen Wetterpoker: Wie trocken wird man bleiben?

Los ging es in der Markthalle. Und auch wenn dort quasi eine Allwetter-Garantie herrschte, hieß das noch lange nicht, dass man dort nicht mit durchtränkten Klamotten von Dannen ziehen würde. Nicht umsonst macht sowohl das MarX als auch die Markthalle selbst bei entsprechendem Besucherandrang dem Logo den Rang als „größte Sauna Norddeutschlands“ gerne mal streitig...

Freitag, 13.07.2012

Die Eröffnung übernahm „Moon 74“ im Marx. Das Projekt von Dominic Hein setzte dabei auf das Prinzip „alles aus einer Hand“. Im hinteren Eingangsbereich tummelten sich schon kräftig die Besucher, während es etwas weiter vorne noch ziemlich locker zuging. Das übliche „Stau-Problem“ in den Hallen, zu dieser frühen Stunde jedoch noch nicht sonderlich tragisch. Das Ein-Mann-Projekt lieferte zum Warmwerden gefälligen Synthie-Pop. Das Publikum ließ sich nach kurzer Aufforderung dann auch bereitwillig zum Mitmachen animieren und eine Hand voll nutzte bereits jetzt die Gelegenheit die Hüften zu schwingen. Die sanfte Stimme des Sängers schmiegte sich wohlwollend an die Musik aus der Dose und ließ die Zeit wie im Flug vergehen. Beim finalen Song ging der Künstler schließlich noch ein wenig auf Kuschelkurs und spazierte gut gelaunt während der Performance durchs Publikum. Alles in allem, ein schöner Einstand für das Festival.

Doch keine Zeit zum Verschnaufen, denn „The Juggernauts“ standen in der Markthalle bereits in den Startlöchern. Geboten wurde hier eine deutlich härtere Gangart und massentauglicher EBM. In SEK-/Pilotenoutfits im klassischen Schwarz traten die beiden Herren an, um die Zuschauer kräftig durch zu rütteln. Die Bässe waren auf Anschlag gedreht und alles vibrierte. Sänger BORG (The Klinik) wirbelte dabei unruhig von der einen Seite der Bühne zur anderen. Gehetzt von den treibenden Beats schloss sich ein Stück nahtlos an das nächste. Musikalisch wenig innovativ gefiel dem Partyvolk offenbar, was dargeboten wurde. Viele nutzen die reichliche Tanzfläche aus, um im Marschschritt dem Takt zu folgen. Der Rest verstreute sich zum mehr oder weniger interessierten Zuhören locker auf den Treppenstufen. Abgesehen vom unbedingt notwendigsten, war der BORG eher unkommunikativ, so dass sich die Zuschauer auch nicht weiter durch die Musik animieren ließen. Nach ca. 20 Minuten klang die Show schließlich einfach langsam aus und die Besucher zogen weiter zum nächsten Act.

Nach der geballten Ladung Testosteron und Adrenalin ließen es Neurotic Mass Explosion wieder gemächlicher angehen. Die in London beheimate Musikcombo überzeugte mit einem Wave-Pop-Set, das eine stillvolle Atmosphäre zauberte. Die bezaubernde, kristallklare Stimme von Sängerin Yin wurde mit sphärischen Synth-Elementen unterlegt und durch tragende Gitarren und Bässe unterlegt. Die Halle wurde dazu passend in schummriges Licht getaucht. Auf der Publikumsseite hielten die Zuschauer anfangs noch einen größeren „Sicherheitsabstand“. Im Laufe der Show lockten die Klänge näher an das Geschehen. Wohlwollender Applaus nach jedem Stück war der Gruppe dadurch sicher. Zu einem der Höhepunkte des Auftritts warteten Neurotic Mass Explosion zum Ende hin mit einer kleiner Blechtrommel-Aktion auf. Abwechselnd zu den akzentuierten Schlägen erwiderten die Besucher mit einem kraftvollen „heh“ als Erwiderung auf. Das Finale bestritt die Gruppe mit „Maschinenmann“ und für die meisten ging es nahtlos einen Raum weiter.

Ein wahrer Klassiker wartete im Anschluss in der Markthalle: Blind Passenger, die sich nach acht Jahren Pause nun mit einer Comeback-Scheibe zurückmelden. Mit der Ansage „Next flight to planet Earth“ wollte Nik P. zusammen mit den Zuschauern abheben. Zum Einschunkeln gab es dann zuerst das Cover von „Sunglasses at night“, stilecht mit ebensolchen vorgetragen. Danach wurde das Publikum liebevoll vom Nummerngirl durch das Programm begleitet. Der praktische Nutzen eines solchen ist unbestritten und diese Handhabung wäre auch bei so manch anderem Konzert mehr als wünschenswert. Neben der obligatorischen Vorstellung der aktuellen Single und ein bisschen Promotion in eigener Sache, durften auch ältere Electro-Pop-Stücke wie „Absurdistan“ nicht fehlen. Die musikalische Begleitung am Keyboard übernahm Oliver, der wie ein braver Kadett den Offizier unterstützte. Tanzbare Stücke wie „Born to die“ oder „You“ füllten im Nu den Tanzbereich und lockte im Übrigen reichlich Interessierte an. Vor anfangs gut gefülltem Haus heimste Mr. Page fleißig Applaus ein. Generös verteilte der Künstler im Gegenzug versilberte Pappteller mit Autogrammen. Derlei Fanviktualien sind jedoch offenbar nicht mehr so gefragt, denn das Engagement dabei zuzugreifen hielt sich weitestgehend zurück und nach dem Auftritt fanden sich noch manche achtlos auf dem Boden. Nichts desto trotz bescherten Blind Passenger mit „The Cross“ gut 30 Minuten einen würdigen Ausklang des Set, bei dem sich das Publikum ein letztes Mal eifrig beteiligte.



Derweil ließen es X-RX im Nebenraum bereits kräftig krachen. Kurz zusammengefasst lässt sich der Auftritt wie folgt charakterisieren: Tanzpuppenmusik und Massenmagnet. Eigentlich muss man dazu fast nicht mehr sagen. Ein paar Kleinigkeiten verdienen dann aber doch einer Erwähnung: Ganz und gar nicht tanzpuppentauglich zeigten sich die Bands lediglich in Baumwoll-T-Shirts und vergleichsweise dezenter Schmutzfinkenoptik. Die obligatorischen Maskierungen fehlten komplett, einschließlich blinkender, neonfarbener Accessoires. Kein Vergleich zu den sonst so durchgestylten Herren. Vielleicht dachten sie diesmal aber auch einfach nur praktisch, denn die typische Cybergothic-Kluft grenzt im kleinen, vollgepackten Marx eher Selbstmord als alles andere. So hatte der ungewöhnliche Aufzug auf die allgemeine Euphorie auch keinerlei Einfluss. Während sich die vorderen Reihen sich ihren notwendigen Bewegungsspielraum freikämpfte, drängten sich die restlichen Zuhörer bis in die letzte Ecke. Trotz der schwülen, stickigen Luft wollte kaum einer seinen Platz aufgeben, sondern hielt tapfer aus um der Tanzlust zu fröhnen. Zu den gefeierten Songs gehörten unter anderem „Kein Herz“, „The update“ und „Hit the drums“. Monoton und eingängig pulsierend brachten sie den Raum zum beben und die Wände zum Tropfen. Zwischenzeitlich musste aufgrund eines notwendigen Einlassstopps einem Teil der Zuschauer dieses Spektakel sogar verwehrt werden. Doch dafür hatten diese die Nase vor, als [:SITD:] die Bühne der Markthalle enterten, während X-RX mit „Stage two“ noch in den letzten Zügen ihres Gigs lagen.

Die Markthalle hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits ebenfalls gut mit Zuschauern gefüllt als Carsten Jacek, Tom Lesczenski und Franceso D’Angelo die Bühne betraten. Hier gab es auch kein langes Fackeln, sondern es wurde von Anfang an richtig Druck gegeben. So dröhnten zum Beispiel „Lebensborn“, „Catharsis“ oder „Richtfest 2“ tanzbar aus den Boxen während sich Sänger Carsten sich in seiner typischen Haltung oftmals ziemlich weit aus dem Fenster lehnte. Jedenfalls wären die dargebotenen Sportübungen dafür bestens geeignet gewesen. Vielleicht sollte es aber auch einfach nur mehr Publikumsnähe erzeugen. Egal, was dahinter steckte, es funktionierte, die Besucher zu pushen und zu animieren. Je länger der Auftritt dauerte, desto stärker füllte sich die Halle. Zum Teil wohl auch, weil X-RX beendet waren. Nebel, Schweiß und ein Tanzfläche mit reichlich Platz zum Austoben boten gute Rahmenbedingungen für ein gelungenes Set. Immer wieder war der Frontmann von dem ihm entgegen schwappenden Zuspruch so gerührt, dass er wiederholt Danksagungen Richtung Zuschauerraum schickte und dafür noch mehr Lob erntete. Einen Schlagabtausch am Mirko gab es schließlich bei „Sonic Barrier“, bevor Carsten bei „Laughingstock“ wieder den Gesang in die eigenen Hände nahm. Zum Finale hin legten [:SITD:] ein letztes Mal u. a. mit „Richtfest“ nach. Als Abschlusssong wählten sie „Rot“, welches von den Fans begeistert aufgenommen und bejubelt wurde.

Danach bzw. parallel dazu wartete ein Kontrastprogramm der anderen Art. Denn ja, gewisse Ähnlichkeiten mit dem einsamen Gesteinsbrocken ließen sich bei dem Auftritt von „Monolith“ nicht leugnen. Allerdings nicht unbedingt wegen seiner herausstechenden Wirkung, sondern eher angesichts der eher, nun nennen wir es, eintönigen „Performance“. Insoweit konnte das Projekt selbst keinerlei Lorbeeren verdienen. Unspektakulär hinter Turntables verschanzt, regte sich dort auf der Bühne nicht sonderlich viel. Musikalisch bewegte sich der Herr dagegen auf recht experimentellen Pfaden. Das rein instrumentale Set lässt sich nicht so recht in eine bestimmte Schublade pressen, macht sich in einschlägigen Clubs auf der Tanzfläche sicherlich gut. Die Anzahl der Zuschauer war überschaubar, die meisten nutzen dafür den Platz um sich von den Klängen tragen zu lassen. Das Set endete überraschend früh, viel Abschiedswehe wirkte dabei jedoch nicht mit.



Derweil in der Markthalle machten sich Haujobb startklar, die übrigen zahlreichen Gäste zu unterhalten. Und im Vergleich zu ihren Vorgängern waren sie nicht minder erfolgreich. Daniel Meyer und Kollegen sind mit großen Geschützen angerückt, denn die Bühne war mit allerlei Technik bestückt. Mit viel Spaß und Redefreude schickte sich die Band an, Musik zu liefern wie sie sein sollte oder wie Mr. Myer sich später ausdrückte „Das ist die wahre schwarze Elektromusik“. Die Besucher konnten sich an Stücken wie „Little world“ oder der aktuellen Single „Let’s drop a bomb“ erfreuen. Die Grundstimmung des Sets war im Verhältnis eher gediegen, förderte damit jedoch die allgemeine Atmosphäre und den Zuspruch. Doch es half alles nichts: gegen ca. 22:45 Uhr musste auch dieser auch etwas anspruchsvollere Auftritt sein Ende finden. Lautstarke Ovationen verabschiedeten Haujobb.

Parallel dazu boten die Engländer von Lights of Euphoria ein eher gewöhnungsbedürftiges, musikalisches Entertainment. Die taktgebenden Beats waren massentaugliche, fast poppig-melodiöse Disco-/Technoklänge, die im harten Kontrast zu der düsteren, dunklen Gesangsstimme standen. Ein seltsam verstörendes Erlebnis, das dafür ziemlich viel Zuspruch fand. Während die vorderen Reihen sich dem Rhythmus hingaben, war der hintere Bereich nicht so recht bei der Sache. Stattdessen war der sofortige Erfahrungsaustausch scheinbar wichtiger als das eigentliche Spektakel. Obwohl der „Einlasser“ weiterhin gut beschäftigt war, so leerten sich die Hallen insgesamt zusehends.

Als gegen 23:00 Uhr die Wiener von Nachtmahr die Bühne eroberten, war der Höhepunkt der Zuschauerzahl bereits überschritten. Das Debüt in der Hansestadt wurde von den verbleibenden Fans dagegen bereits sehnsüchtig erwartet. Vom ersten Takt an herrschte Tanzalarm auf der Tanzfläche. Frontmann und Mastermind Thomas Rainer gebar sich dabei als der passende Führer. In Uniform gekleidet und mit dem Pathos des Dritten Reichs spielend feuerte er im militärisch schnittigem Befehlston die Texte entgegen. Die stampfende, monotone Marschmusik wurde daneben noch um originale, historische Mitschnitte und entsprechendem Bildmaterial auf der Videoleinwand unterlegt. Die eher fragwürdige Provokation bot ansonsten das altbewährte, austauschbare EBM-Repertoire: kaum abgrenzbare, beliebige Tanzmusik. Das Fanherz schlug insbesondere bei Klassikern wie „Mädchen in Uniform“ schneller und bescherte lautstarken Jubel. Als nach etwa 2 Stunden der Abschied näher rückte, riefen Nachtmahr ein letztes „Weltmacht oder Niedergang“ entgegen, bevor sie die Bühne im Stechschritt verließen.

Zwischenzeitlich hatten im Nebenraum Eisenfunk ihre Fanschar ebenso fest in den Händen. Bekannt durch den wegweisenden Clubtrack „Pong“ war klar: Hier gibt’s Tanzpuppenmusik, die 2. Ein Spur härter als die Konkurrenz, dafür gleichsam taktangebend und mit ordentlich dröhnenden Bass starteten die Herren ihr Set mit dem gleichnamigen Titel „Eisenfunk“. Das dicht gedrängt stehende Publikum verfiel augenblicklich in ihre einstudierten Choreographien. Imagegerecht präsentierten sich Eisenfunk in futuristischem Military-Look. Sänger Michael Mayer schmetterte mit Inbrunst jedes Wort entgegen und die monotonen Bässe brachten die Wände zum Zittern. Furios wie der Start ging es mit „Super Space Invaders“ und einer guten Mischung aus den bisherigen Werken bis zum Zapfenstreich weiter. Schweißtreibende, sportliche Betätigung bis an die Grenze der Ausdauer. Das Publikum war mitgerissen und feierte die Band entsprechend. Zurück blieb nur ein leerer, nasser Raum.



In der Markthalle hatte sich zu dieser Zeit die Bühne schon sichtbar geleert, um alles für den letzten Act des Abends vorzubereiten. Bei Dive hat sich Herr Dirk Ivens dem Minimal verschrieben – und dieses Konzept zog er dementsprechend knallhart durch. Denn nicht nur musikalisch beschränkte sich die Umsetzung auf das Notwendigste, sondern auch die Bühnenausstattung war entsprechend purisitsch gehalten. Ein Computer, ein Mikrofon (manchmal verstärkt durch Megafon), und Dauerstrobo. EBM bzw. Noise/Industrial in seiner reinsten Form. Nicht mehr, nicht weniger. Der Andrang hatte nunmehr ebenfalls deutlich nachgelassen und die Halle war nur noch etwa zur Hälfte mit Besuchern gefüllt. Die nur minimal variierenden, monotonen Beats schlugen sich mit der Zeit immer stärker in den Kopf und durch den Stroboeffekt bewegte sich alles, um einen herum und auf der Bühne in Zeitlupe. Ein skurriles, bizarres Bild. Dazu ließen die Bassbeats den ganzen Körper vibriere, erzeugte so ein angenehm, kribbelndes Gefühl. Zwischen den Stücken fanden sich kaum Pausen oder langsamere Stücke, um den Puls wieder auf das normale Niveau absinken zu lassen. Den harten Kern der Festivalsgänger konnte das nicht mehr schockieren. Er hielt tapfer durch und applaudierte artig. Der Auftritt gipfelte in dem Stück „Sufferhead, nach dem Dirk Ivens einen schnellen Rückzug hinlegte. Das Publikum hatte dagegen noch lange nicht genug und forderte hartknäckig nach einer Zugabe. Für ein weiteres Mal sollte diesem Verlangen noch nachgegeben werden bis um 01:05 Uhr schließlich auch hier die letzten Töne verhallten und die Halle endgültig geräumt werden musste. Ein eigenwilliger, aber würdiger Abschluss eines langen Partymarathons.

Samstag, 14.07.2012

Mit dem unguten Gefühl, dass die Vorstellung im Stadtpark wieder mehr feucht als fröhlich werden würde, versammelte sich das Schwarzvolk dennoch bereits recht früh nach und nach vor der Bühne. Viele waren bestens für das Hamburger Wetter ausgerüstet oder tätigten noch schnell einen Notkauf am Einlasshäuschen und harrten der Dinge, die man bei 90% Regenwahrscheinlich nun mal erwarten konnte.

Pünktlich zum Start von „The Exploding Boy“ aus Schweden setzte dann der erste Regen ein und auch wenn er nicht besonders heftig war, so hielt er sich zumindest recht hartknäckig. Trotz dieser Widrigkeiten ließ sich die Band nicht beirrren. Mit ihrer gekonnten Kombination aus Electro und Gitarren lockten sie eifrig Zuschauer vor die Bühne. Musikalisch durchaus eingängige, kurzweilige Melodien ließen das Herz höher schlagen und die Beine mitwippen. Nur der Gesang war streckenweise noch verbesserungswürdig. Kontinuierlich füllte sich dabei während des Sets langsam der Platz mit beschirmten oder in zum Teil recht bunten Regencapes gekleideten Zuschauern. Der Trend des Jahres ging dabei klar zum Lila. Nach einer halben Stunde verabschiedete sich die Band schließlich noch mit einem hitverdächtigten, synthlastigem Finalsong, der sich schlussendlich in guter Erinnerung blieben ließ.

Solitary Experiments erhellten mit ihrem sonnigen Gemüt nicht nur die allgemeine Stimmung, sondern gemeinsam mit ihnen kehrte auch die Sonne zurück und sollte mit wenigen, vereinzelnten Unterbrechungen schließlich konstant bleiben. Der Opener war eine hochgelobte Premiere des Songs „Stars“. Im Vorfeld dazu wurden bereits fleißig Flyer verteilt, damit man herzhaft in den Refrain einsteigen konnte. Nur die ebenfalls angepriesene Wunderkerze wurde leider nicht mit geliefert. Deren optischer Effekt wäre bei der Außenlocation aber wohl so oder so recht schwach ausgefallen. Mit ihrem gefälligen Synthy-Pop fiel es der Band leicht, die Zuschauer für sich zu vereinnahmen. Der Stadtparkt war gut gefüllt und überall begannen sich die Reihen im Takt zu bewegen. Zu „Pale Candle Light“ schlich sich passend zum Text noch ein kleiner, nieselnder Schauer ein, doch danach wurden die Wolken gnadenlos vertrieben. Den Anfang bei machte dabei das mit „Damenwahl“ umschriebene „Delight“. Ebenso mit an Bord war „Immortal“ bis mit „Rise and Fall“ nach ca. 45 Minuten auch schon wieder Schluss war. Gut gelaunt und mittlerweile in bester Partylaune trennte man sich und wartete gespannt auf die nächsten Künstler.



Mit etwas Verspätung flogen die Herren von Northern Light im wahrsten Sinne in der Hansestadt ein und hatten trotz der warmen Temperaturen einen ziemlichen „cold start“. Doch die Band ist Profi genug, um dies mit Bravur zu meistern. Sänger Andreas Kubat lockerte die Stimmung auf, als das Set mit dem zweiten Song quasi richtig startete. Rockig, elektronisch, gut. Mit „Reach the sun“ wurde dem sich so tapfer haltenden Wetter gehuldigt und mit einer gehörigen Portion Lautstärke in die Welt getragen. Die Herren gaben ihr Bestes das Publikum zu bewegen, deren Einsatz mit würdigem Applaus honoriert wurde. Doch kaum hatte man sich richtig eingegroovt, hieß es nach dem siebten Stück auch bereits wieder Abschied nehmen. Der Zeitplan drängte insoweit zu dem verkürzten Set.

Doch auch beim nachfolgenden Act war die Zeitverzögerung noch nicht ganz wieder hereingeholt. Einige Minuten nach dem Zeitplan starteten Mesh in gewohnter Manier mit „How long“. Gefolgt von „Trust you“ behielten die Jungs ihren anfänglichen Schwung bei. Sonnenschein, gute Laune und super Stimmung. Die perfekte Kombination für eine gelungene Party. Vor allem die Zuschauer im vor dem ersten Wellenbrecher steckte die Musik sofort an und sie waren vom ersten Moment mit vollem Elan bei der Sache. Egal ob mitklatschen oder textsicher die Musiker unterstützen, alles erfolgte automatisch. Tanzende, hüpfende Menschen so weit das Auge reichte. Etwas weiter hinten ließ man es noch gemütlich angehen, so spätestens bei Crash platzte schließlich auch dort der Knoten. Nachdem es im Anschluss daran kein Halten mehr gab und Jubelrufe, zusammen mit vereinzelten Forderungen nach Nachschlag, den Stadtpark erfüllte, war es für Mesh eine Selbstverständlichkeit noch einmal nachzulegen. „Friends like these“ diente als Belohnung für den rührenden Zuspruch.

Setlist:
Only better
Trust you
If we stay here
Leave you nothing
How long
People like this
Everything I made
From this height
Crash
----------
Friends like these

Der Aufbau für Project Pitchfork ließ bereits erahnen, dass dieses Set anders als gewohnt werden würde. Statt der üblichen Ausstattung wartete das Set puristisch lediglich mit zwei Schlagzeugen und einem Keyboard auf. Bei der Eröffnung zogen die Herren noch ein wenig die Handbremse an, doch schon beim zweiten Song wurde mit „Timekiller“ richtig Gas gegeben. Peter war in überaus guter Stimmung und von der Sonne nach eigenen Angaben ebenso überrascht. Sein Statement dazu: „Achim ist der einzige, der von uns Sonnencreme dabei hat“. Überhaupt war er generell zu Späßen aufgelegt und genoss den unerwartet erfreulichen Sonnenschein, in dem sich z. B. publikumsnah in den Grünstreifen vor der Bühne setzte oder sich kurzzeitig sogar eine Sonnenbrille bei einem Fan lieh. Das Set selbst bot viele alte Klassiker für die Fans, darunter Conjure, Alpha Omega und KNKA. Die hart eingesessenen Fans ließen es sich zudem nicht nehmen ihr gewohntes Partyprogramm durchzuziehen. Pogo, Moshpit und pure Extase, auch wenn dies nicht alle im „inneren Ring“ des Stadtparkes teilten. Bei „The dividing line“ hieß es schließlich einmal tief Luft holen für die letzten Songs der Show, zu denen u. a. „Existence“ gehörte. „Fire and ice“ besiegelte dann das Set mit einem würdigen Abgang. Was wünscht man sich mehr? Die aus dem Publikum anschließend ertönenden Zugaberufe mussten jedoch ungehört verhallen.



Nach einer kurzen Umbauphase war alles für den Headliner des Abends bereit: Apoptygma Berzerk. Das zahlreiche Publikum wartete bereits gespannt, auf das was kommen sollte. Nach der umfangreichen Umstrukturierung fanden sich im Live Line-up diesmal mit an Bord: Brannon an der Gitarre und Jonas Groth hinter den Keyboards. Außerdem ein alter Bekannter: Ted Skogman, der bereits schon früher eine Zeit lang die Gruppe begleitete, hatte sich wieder hinter die Drums geschwungen. Eine Zusammenstellung, die super funktionierte und harmonierte. Die Eröffnung des furiosen Sets wurde mit „Love never dies“ eingeläutet. Ein Partygarant, der schlagartig die Stimmung hochkochen ließ. Je dichter an der Bühne, desto mehr Extase war zu spüren. Gefolgt von „Nonstop Violence“ und „Eclipse“ wandelte sich der gesamte Stadtpark in einen Tanzkessel. Nach so viel Energie folgte schließlich im kompakter Form der langsamere Teil, u. a. mit „Shadow“ und „Kathy’s Song“. Immer wieder animierte Stefan die Fans zudem kräftig mit zu singen. Besonders bei Hits wie „In this together“ und „Shine one“ beteiligten sich vor allem die vorderen Reihen intensiv und lautstark. Mit „Deep Red“ ging es dann zurück zur „old school“, die eher dem Geschmack der anwesenden breiten Masse entsprach. Einmütig feierte das Publikum schließlich das restliche, rasante Set, welches zunächst in „Until the end oft he world“ gipfelte. Die folgenden euphorischen Zugaberufe waren dabei fast obligatorisch. Da ließ sich Mr. Groth doch gerne zurück bitten und bescherte den Zuschauern die aktuellste Coverversion: „Love will tear us apart“. Erneut umjubelter, dramaturgischer Rückzug, um anschließend mit „Bitch“ das Finale Highlight zu setzen. Ein würdiger und begeisternder Auftritt, der gerne auch noch ein wenig länger hätte sein dürfen. Doch Apoptygma Berzerk hatten bereits das Maximum an verfügbarer Spielzeit herausgeholt und wurden mit freudigen Jubelrufen entlassen, während sie sich standesgemäß in Gruppenformation verbeugten.

Setlist:
Love never dies
Nonstop Violence
Eclipse
Shadow
Kathy’s Song
In this together
You keep my from breaking apart
Shine on
Deep Red
Unicorn
Starsign
Until the end of the world
----
Love will tear us apart
----
Bitch

Fazit: Erneut ein gelungenes, sehr gut organisiertes Festival. Einiges Manko waren leider wieder die fehlenden Sitzgelegenheiten, aber vielleicht findet sich dafür in den nächsten Jahren auch noch eine Lösung. Ansonsten war der Wettergott diesmal überaus gnädig und bescherte so ein tolles Sahnehäubchen. In diesem Sinne: Auf das nächste Jahr!

Bericht, Fotos: Ina Pusch

 

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