Album-Rezension: Mesh – Looking Skyward

Mesh-LookingSkyward

Am 26.08.2016 hat das Warten endlich ein Ende: Mesh veröffentlichen den Nachfolger von „Automation Baby“. Mit dem mittlerweile achten Studioalbum erfinden sich die Jungs aus Bristol neu, ohne sich selbst zu verlieren. Eine Gradwanderung, die nicht viele meistern. Die Band zeigt sich experimentierfreudig und lassen auf „Looking Skyward“ gekonnt verschiedene Stilrichtungen einfließen, wodurch die Songs einen erfrischenden, neuen Twist bekommen. Einen guten Vorgeschmack, was die Fans erwarten können, lieferte bereits die Vorab-Single „Kill your darlings“. Beim ersten Hören mag das Lied nicht sofort zu entflammen und auch im Vergleich zum Rest des Albums ist dies sicher nicht der stärkste Track. Aber mit der Zeit reift der Song heran und gerade der Refrain schleicht sich unweigerlich ins Ohr.

Den Einstieg auf der CD dagegen bereitet mit „My protector“ ein typisches Mesh-Stück mit sattem Sound, eingängigen Lyrics und peppigem neuen Klang. Insbesondere der Einsatz der Heimorgel (zumindest klingt es danach) gibt der Nummer die etwas andere Note und einen Kontrast zu den hellen, klaren Piano-Klängen. Ein guter Start für das Album. Deutlich entschleunigt setzt sich die Reise mit „Tactile“ fort. Eine ergreifende Ballade mit starkem Text. Musikalisch sehr zurückgenommen steht die Stimme von Mark Hockings eindeutig im Focus. Die sanften, zum Teil mit Streichern untermalten Töne gehen unter die Haut und direkt ans Herz. Der Wechsel von schnell und langsam zieht sich im Folgenden stringent durch die ganze CD, denn mit „The last one standing“ geht es schwungvoll weiter. Ein poppiger Dancetrack mit aufmunternder Message, der in die Beine und den Gehörgang schießt. Auf andere Art bewegend ist die nachfolgende Powerballade „The traps we made“. Der Text fesselt von Anfang an und lässt den Hörer nicht mehr los. Der Song erhält nicht nur durch die entfernt klingenden Klavierhighlights, sondern auch die verzerrten Syntheffekte eine besondere Raumtiefe. Überhaupt reizen Mesh vor allem in den Balladen, zu denen auch „Before this world end“ und „There must be a way“ gehören, ihr ganzes Potential aus und gehören damit insgesamt zu den stärkeren Stücken auf der Platte. Doch auch für die Freunde der schnelleren Gangart gibt es einziges zu entdecken. „Runway“ besticht nicht nur durch eines der höchsten Ohrwurmpotentiale, sondern auch einer mitreißenden, frischen Dancefloor-Stimmung. Bei „The ride“ ist der Name Programm. Das experimentelle Spiel mit neuen Stil-Einflüssen wirkt erfrischend anders und vermittelt das Gefühl mitten in einem Rennen zu stecken. Genauso facettenreich ist „Two+1“, welches jedoch mehr mit unterschiedlichen Tempi spielt. Die ruhigere Nummer entfaltet sich nicht zuletzt in ihrem starken Refrain und in der Bridge ist ein klassischer poppiger Einschlag herauszuhören. Beim finalen „Once surrounded“ erinnert das Intro stark an Einflüsse von Zeromancer (aus der Ära „Death of romance“) oder Legend. Der dumpfe schleppende Beat steht dabei im eindrucksvollen Gegensatz zur Stimme des Sängers und den späteren Gitarreneinspielungen.

Fazit: Das wohl bisher abwechslungsreichste Album der Band. Mehrstimmige Elemente und das Spiel mit dem kompletten Spektrum elektronischer Facetten, erweitert musikalische Einflüsse anderer Stilrichtungen verleihen dem Werk eine einzigartige Erfrischungskur und heben es von dem bisher bekannten deutlich ab. Absolut hörenswert.

persönliche Lieblingsstücke: Runaway, The traps we made

Rezension: Ina Pusch