Festivalbericht: Darkstorm Festival 2014

Zum 18. Mal luden einige Bands der dunklen Szene dazu ein, den ersten Weihnachtsfeiertag in Chemnitz zu verbringen. Nachmittags, 16.45 Uhr begann das dunkelbunte Spektakel in dem großen Saal der Stadthalle.

Ost-Front eröffneten die Konzertreihe mit ihrem 30minütigem Auftritt. Unter anderem performten sie die Songs „Mensch“ und „Hackebeilchen“, welche vor allem durch ihre Videopräsenzen relativ große Bekanntheit genießen und Fußwippend vom Publikum aufgenommen werden. Bereits zu so früher Stunde scheint der große Saal schon recht gut gefüllt. Etwas dichter drängen die Menschenmassen bei Coppelius vor die Bühne. Mit großem Applaus wurde die avantgardistische Berliner Band empfangen, so dass des Butlers Schild, welches zusätzlich zum Applaus aufrief, unnötig erschien. Aus der Litfaßsäule kommen nun 5 weitere Herren, welche ebenso dem 19. Jahrhundert entsprangen, wie der eben beschriebene Diener. Mit Klarinetten, Cello, Kontrabass und Schlagzeug bringen sie die ersten Festivalbesucher zum Tanzen. Mit ihrem besonderen Charme, Witz und Spielfreude lassen sie keinen Zuhörer gelangweilt und gleichgültig zurück. Eine großartige Musikgruppe, die mit ihrem phantastischen Auftritt in eine andere Zeit entführt und sowohl musikalisch als auch textlich in ihrem Konzept bleibt. Ein gelungener Auftritt und absolut Empfehlenswert!
Nach dieser sympathischen Performance wird es wieder etwas düsterer: Die Grausamen Töchter kündigen sich mit düsterrotem Licht und 3 Damen an, welche ihre Holzkreuze rhythmisch zu den stampfenden Bässen des Intros bewegen. Auch Aranea Peel , die überaus charakteristische Frontfrau lässt nicht lange auf sich warten. Zusammen legt die 6köpfige Band einen obskuren, düsteren Auftritt hin, der wohl durch die Freizügigkeit der Bandmitglieder bedingt wurde – für Fans der Band, allerdings kein Novum darstellt. Musikalisch punkten sie vor allem durch den abwechslungsreichen und authentischen Gesang der Frontfrau, der den schwarzen Kern der Songs optimal vermittelt. Untermalt wird dieser von treibenden wie düsteren Beats, zu denen auch das Tanzbein geschwungen werden könnte, wäre man nicht so von der Optik dieses Auftritts fasziniert gewesen. Auf der kleinen Bühne findet noch der Soundcheck von Dive statt. Dieses setzt sich lediglich aus Dirk Ivens, einer minimalen, flackern Strobobeleuchtung und vielen hämmernden, elektronischen Sounds zusammen. Diese setzt der Sänger von Absolute Body Control, The Klinik in einem dynamischen hin- und herlaufen auf der Bühne um. Viel Zeit blieb mir nicht und schnell musste ich schon wieder in den großen Saal um einen Blick auf The Exploding Boy zu erhaschen. Diese Band war mir noch völlig unbekannt – kein Wunder. Sie ist eine der unzähligen Gothicrockbands neben The End of Green, HIM, etc. Sie liefern eine souveräne Leistung ab, stechen aber nicht besonders aus der Masse hervor. Auch das Publikum ist eher verhalten, der Saal wirkt eher wieder etwas leerer. Im anderen Saal konnte man sich das Warten auf Welle:Erdball gut und gerne mit In Strict Confidence vertreiben. Das „Morpheus“-intro ertönt und die Erwartungen steigen. Der erste Song „My Despair“ folgt und es sind lediglich 4 Bandmitglieder anwesend (Es fehlte: Nina de Lianin ). Ebenfalls finde ich etwas schade, dass sie nicht wieder auf der großen Bühne (wie vor einigen Jahren) auftreten. Nichtsdestotrotz überzeugt der Sänger Dennis Ostermann mit seiner faszinierenden Ausstrahlung und seiner einmaligen Stimme, während im Hintergrund die passenden Musikvideos abgespielt werden.
Doch schnell weiter zu Welle:Erdball, um da auch noch ein paar Fotos zu erhaschen. Und es lohnt sich: Eine großartige Bühnendeko schmückt nun den großen Saal und die 4 Bandmitglieder sind von Masken umhüllt. Ihr Konzert stand wohl unter dem Motto „Roboter“, so dass auch nach dem Aufklappen ihrer Masken das elektronische Innenleben der Gesichter enthüllt wurde. Eine bezaubernde Überraschung für das ohnehin schon begeistere Publikum. Doch nicht nur die Optik überzeugt. Auch ihre Sounds punkten mit Einzigartigkeit, Eingängigkeit und Tanzbarkeit. Der Saal ist gut gefüllt und einige tanzende Fans lassen sich ebenso ausmachen. Tosender Applaus beendet die allumfassend großartige Bühnenleistung! In der kleineren Halle findet der Abend schon den Abschluss. Hocico, die energiegeladenen Mexikaner, betreten mit jeder Menge Schwung und Spiellaune die kleine Bühne. Trotz dessen, das im großen Saal die Szenegröße Megaherz performt, ist dieser Raum komplett gefüllt und die Zuhörer tanzen begeistert zu den treibenden, elektronischen Klängen. 60 Minuten lang springt der Fronter Erk Aicrag von einer Seite der Bühne zur nächsten, unterbrochen von Kontakt, den er zum Publikum sucht. Die beiden geschminkten Musiker lassen die Bühne definitiv nicht leer aussehen und auch die Zuschauer scheinen überaus begeistert, klatschen und schreien im Takt. Das war auch schon die letzte Band, die den kleinen Saal bereichern konnte. Im großen Saal hingegen sollte die Party noch weitergehen. Mono Inc. Überzeugen mit eher softeren Rockklängen und einer eingängigen, warmen Stimme des Sängers . Immer wieder heizten sie dem Publikum auch mit Flammen ein. Ein souveräner Auftritt der 4 Hamburger.
Nach ihrem 60 Minütigen Auftritt und einem relativ langen Umbau folgen endlich die Headliner, dem auch schon viele Zuschauer entgegen fiebern: Project Pitchfork. Große bildgewaltige Lichtwände, 3 Schlagzeuger, 2 Keyboards und Sänger Peter zieren die Bühne. Letzterer scheint etwas niedergeschlagen und undynamisch, im Vergleich zu den vielen vergangenen Auftritten, die ich miterleben durfte. Doch diese Frage wird schnell durch seine Erklärung aufgelöst. Seine Mutter ist einen Tag vor dem Festival gestorben. Nichtsdestotrotz ziehen sie ihren Auftritt durch und nach einigen Songs lockert sich sein Bühnenverhalten. Das Publikum lässt sich davon nicht zurückhalten: Sie feiern, tanzen und singen vergnügt. Eine Besonderheit ihres Auftrittes bildete die Setlist, welche einige Tage vor ihren Auftritt bei Facebook entschieden wurde. So fanden sich viele alte Klassiker und einige neue Songs darin wieder. Der Abend findet mit tosendem Applaus und einer großartigen Band, die verdient als Headliner auftraten ihr Ende.

Alles in allem war das Festival aufgrund der wundervollen Location organisatorisch wieder überaus gelungen. Es bot einige musikalische Highlights (wie z.B. der Auftritt von Coppelius, Grausame Töchter, Hocico, Welle:Erdball) und zeigt durch den abwechslungsreichen Running-Order ein recht breites Spektrum der dunklen Szene auf.

Bericht + Foto: Claudia Helmert
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