Festivalbericht: Darkstorm Festival 2015

Das 19. Darkstormfestival veranlasste auch dieses Jahr wieder zahlreiche Fans der dunklen Szene nach Chemnitz zu reisen und die Säle der Stadthalle zu stürmen. Am Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages versammelte sich die Schar Schwarzgekleideter und konnte es kaum erwarten bis sich die Türen öffneten, da zwischen Beginn des Einlasses und Konzertbeginn lediglich dreißig Minuten lagen in denen der große Ansturm an Menschen wohlschwer zu bewältigen ist.
Überpünktlich hörte man auch schon die ersten Töne von Unzucht, welche bereits 16.45 Uhr die Bühne betraten. Eine halbe Stunde lang dauerte ihre dynamische Performance, die vor allem von der charakteristischen Stimme und der überzeugenden Sympathie des Sängers Daniel Schulz profitierte. Sie spielten einige Songs ihrer neuesten Platte Venus Luzifer, ließen aber mit ihren Hits wie dem gleichnamigen Song Unzucht bzw. Kleine, geile Nonne nicht lange auf sich warten. Ein kurzweiliger aber großartiger Auftritt, wie man am Applaus des Publikums erkennen kann. Einige Umbauminuten später enterten Tanzwut die Bühne, die vor allem mit einer choreografierten Bühnenshow in Erinnerung blieben. Sie zeigten eine eher durchschnittliche 35-minütige Show, die aber dennoch vom Großteil des Publikums angenommen wurde.
Im kleinen Saal kündigt sich schon mit entsprechender Bühnendekoration der Auftritt von Eisfabrik an. Der überraschend gefüllte Raum, lässt schon erahnen, dass die Band trotz ihres frühen Slots einiges an Ansehen genießt. Ihr kühles Konzept äußerte sich nicht nur in Bühnenoutfit und der bereits erwähnten –dekoration, sondern auch in ihren Songs. Auch wenn die soundtechnische Abmischung nicht optimal war, überzeugten sie auch die Musikbegeisterten, welche von der Hamburger Gruppe noch nichts gehört haben. Im quasi leeren Hauptsaal sollten nun härtere Klänge angeschlagen werden: Beyond the Black paarten Gitarrenriffs mit imposant-gotischen Elementen, die von einer sympathischen Sängerin zu einen musischen Gesamtbild vervollständigt wurde. Und schon zog es wieder in den kleineren Saal in dem Noisuf-X ihre Klangperfomance ablieferten. Lord of the Lost begannen auf der großen Bühne auch etwas verfrüht ihre Show mit Metal Whore, bei welcher Chris Harms hinter seinem E-Cello die Fans begeisterte. Auch bei ihrem Auftritt, ließ sich nicht leugnen, dass sie ihren Auftritt genossen und ihren musikbegeisterten Anhängern gern eine überzeugend-rockige Show liefern wollten. Auf der anderen Bühne lief der Countdown bis zum Faderhead-Auftritt und damit ist ein tatsächlicher, auf der Leinwand sichtbarer Countdown gemeint. Etwas nach der angekündigten Uhrzeit betrat der gut gelaunte Hamburger Musiker die Bühne und wurde von maßloser Begeisterung empfangen. Die dichtgedrängten und tanzenden Musikbegeisterten feiern sympathisches Idol, welches immer wieder die Nähe bzw. den Kontakt zum Publikum suchte.
Hektisch ging es indessen bei den Vorbereitungen des Auftrittes von Welle:Erdball zu. Diese Unruhe bzw. Zerstreutheit blieb auch während der ersten Lieder ihres Auftrittes nicht verborgen, wodurch der Stimmungsfunke nicht richtig überspringen wollte. Dennoch sollte es nicht ausbleiben zu erwähnen, dass sie ihr authentisches Konzept von der Begrüßung „Hallo Karl-Marx-Stadt, Sie hören Welle:Erdball!“ über die minimalistischen Klänge bis zu der gewohnt vielfältigen Bühnenshow einzigartig bleibt. Agonoize veranlassten, dass der Bühnengraben aufgrund ihres kunstblutlastigen Auftrittes mit Plastikplanen gesichert wurde. Die blutigen Erwartungen wurden erfüllt und auch sonst war Fronter Chris gewohnt charismatisch wie überzeugend.
Und schon war auch die Zeit gekommen zu der ich mein langersehntes Highlight wahrnehmen durfte: Goethes Erben. Eine Vielzahl an Musikern und Tänzer sollten die Anhänger der dunklen Szene mit einem 60-minütigen Programm in den Bann ziehen. Zu sehen und zu hören gab es vor allem einen agilen Oswald Henke, der sich in den unterschiedlichen Szenarien der Songs facettenreich zeigte und vor den kostümierten Darstellern bzw. Sängern zumeist Vordergrund stand. Alles in allem bestätigten sich meine Erwartungen mit einer stimmungsvollen Darbietung. Nun wartete man während eines langen Umbaus auf den imposanten Bühnenauftritt von Eisbrecher, welche ihre gesamte Kulisse in die Stadthalle mitbrachten. Vor allem ihre großartige Lichtshow blieb mir in Erinnerung, aber natürlich sollte die gewohnte Attitude von Sänger Alex nicht ungewohnt bleiben, welche sich optimal in das musikalische Gesamtbild einfügen lässt. Die Band zeigte sich motiviert und die rockwilligen Fans sind auf ihre Kosten gekommen.

Zusammenfassend kann man es nicht abstreiten, dass das Darkstormfestival auch dieses Jahr wieder überzeugte. Nichtsdestotrotz bleibt ein kleiner Kritikpunkt der überaus sparsame Lichteinsatz im kleineren Saal oder hier und da ein paar soundtechnische Ungereimtheiten über die man während eines Festivals leicht hinweg sehen kann. Weitaus relevanter erscheint mir die Künstlerauswahl, welche sich auffällig oft wiederholt, wenn man auf die letzten Jahre zurückblickt – aber vielleicht zeigt sich ja in den nächsten Jahren ein bisschen mehr Abwechslung im Line-Up, sodass vielleicht der eine oder andere neue Anhänger der dunklen Szene mehr zu dem Besuch des Darkstorms überzeugt werden kann!

Bericht + Foto: Claudia Helmert.
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