Festivalbericht: NCN 2013

Die Schwarze Open Air Szene beginnt ihre Saison in Leipzig und beendet sie nur unweit dieser Metropole. Deutzen ist das Zauberwort, das für ambitionierte Alternativmusik, bezahlbare Preise und anspruchsvolles Publikum steht. Umrahmt von einem waldartigen Kulturpark, der in der ungewöhnlichen Spätsommerhitze schattige Zufluchtsorte bot.

Ich konzentrierte mich auf den Festival-Samstag, erster Programmpunkt .com/kill auf der kleinen Bühne. Und Adrian Hates & Gaun:A ließen keinen Zweifel daran, dass es sich bei diesem Projekt durchaus um einen ernstzunehmenenden Nebenschauplatz handelt. Wem die melancholischeren Momente von Diary of Dreams auf Dauer ein wenig zu einschläfernd sind, bekommt hier die geballte Ladung energiegeladener Substanz ab. So gesehen macht die Teilung des Repertoirs durchaus Sinn und ist bestimmt keine Eintagsfliege. Fliegen war dann auch eher das Problem von Vasi Vallis, bzw. der Stress im Anschluss an seinen Flug aus London, der ein verspätetes und verkürztes (aber dennoch wie immer sehr schwungvolles) Frozen Plasma Set zur Folge hatte. „Kein Problem, der kann das ab.“, scherzte Sänger Felix Marc, der persönlich ja sowieso noch länger auf der Bühne bleiben durfte. Diorama spielten gleich im Anschluss. Auf der kleinen Bühne eine weitere Electroband, VERSUS gewannen das Newcomer-Voting und überzeugten auch in diesem Jahr mit engagierter Arbeitsweise. Die Stimmung wurde zudem noch durch das Verteilen diverser Getränke an Sänger und Publikum gesteigert.

Das Festival steht ja für die Vermeidung von Überschneidungen zwischen den beiden Hauptbühnen. Was auch nahezu immer funktioniert. Dadurch aber, dass man nun auch noch die Kulturbühne mit ins Spiel gebracht hat, klappt das Ganze nur noch teilweise. Das hatte leider zur Folge, dass sich die Auftritte von Diorama und Widukind arg überschnitten. Nun gut, 3 Songs von Diorama bekam ich dann noch mit, die Band aus Reutlingen startete ungemein kraftvoll und trotzte der immensen Hitze. Erstmals an diesem Tag war die Arena vollständig gefüllt, was den Stellenwert der süddeutschen Band unterstrich. Auf der Kulturbühne ging es indessen ruhiger zu, aber nicht weniger ambitioniert. Carsten Klatte ist vielen als herausragender Gitarrist bei zahlreichen Projekten bekannt. Eines seiner eigenen nennt sich Widukind und gibt sich selbst die Bezeichnung „Post-Apocalyptic-Folk“, was in der Praxis eine bemerkenswerte Mischung aus deutschen Texten, Soundcollagen und Akustikelementen bedeutet. Kritische Texte stehen im Vordergrund, zu Beginn trugen die Akteure Guy Fawkes-Masken. Später trat dann die attraktive Yve Darksound unterstützend ans Mikro. Ein stimmungsvoller Höhepunkt des Samstags.

Auf der kleinen Bühne gab Daniel Myer mit Haujobb eine furiose Electrodarbietung, die man aufgrund der Dunkelheit und dem Verzicht auf Bühnenlicht zwar nicht sehen aber umso besser hören konnte. Auch wenn der optische Minimalismus manchem nicht so sehr zusagte, musikalisch unterstrich Myer seine Einzelstellung eindrucksvoll. Als Headliner wurden Phillip Boa & sein Voodooclub auf der großen Bühne präsentiert. Auch hier die traditonelle Düsternis, auch hier unbestrittene musikalische Feinkost. Wie schon beim Amphi Festival vermochten der großgewachsene Sänger sowie die nicht minder beeindruckende Pia Lund die Fanschar zu begeistern.

Fazit: Deutzen ist auch weiterhin jeden Reisekilometer wert. Die Nocturnal Culture Night behält ihre Ausnahmestellung.

Bericht + Foto: Frank Buttenbender
Weitere Fotos der Veranstaltung befinden sich in unserer Galerie.

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