Interview mit Alex Møklebust (Zeromancer)

Coole News aus dem kalten Norwegen

Zeromancer machen sich bereit für den nächsten Angriff. Nachdem die Fertigstellung des kommenden Longplayers „Sinners International“ bekannt gegeben wurde, ging es Schlag auf Schlag weiter: Der Wechsel der Booking Agentur, bei dem Neuwerk auch gleich eine neue Tour für 2009 ankündigte. Die letzte Neuigkeit folgte vor wenigen Tagen – Zeromancer haben bei Trisol ein neues musikalisches Zuhause gefunden. Wenn das keine guten Gründe sind, Mr. Møklebust zum kleinen Gespräch zu bitten. 

OP: Was lange wärt, wird endlich gut. Ihr habt gerade das kommende Album „Sinners International“ fertig gestellt. Wie ist es die Veröffentlichung nun in greifbarer Nähe zu wissen?
Alex: Oh, ja! Wir hatten während der Albumaufnahme eine großartige Zeit und freuen uns nun riesig auf die Veröffentlichung.

OP: Mit den Singles „Doppelgänger“ und „I’m yours to lose“ gab es einen ersten Vorgeschmack auf die neuen Songs. Alles in allem scheint es ein wenig zurück zu den Ursprüngen von Zeromancer zu gehen. Härter, tanzbarer und eingängig wie eh und je. Was hat euch zum dieser CD inspiriert?
Alex: Die Tatsache, dass wir die Freiheit hatten zu tun was wir wollten und wir ganz ohne Druck arbeiten konnten, hat uns dazu inspiriert noch einmal von vorn zu beginnen. Es fühlt sich einfach so gut an unabhängig zu sein und dass wir immer die komplette Kontrolle über den gesamten Ablauf in unseren Händen zu halten.

OP: Was steckt hinter dem Albumtitel?
Alex: Zum Teil ist der Titel eine Anlehnung an all die verrückten religiösen Gruppierungen da draußen. Zum anderen beschreibt es auch die Selbstherrlichkeit einiger Menschen, die denken sie wären besser als andere. Aber wir sind alle Sünder. Keiner ist perfekt – denn wir alle machen Fehler. 

OP: Euer Plattenvertrag mit WEA ist nun schon seit längerer Zeit ausgelaufen und ihr hatte eure volle Freiheit zurück, um ganz entspannt euer Album abzuschließen und mit dem fertigen Produkt dann zu hausieren. Findest du diesen Weg einfacher? Wonach habt ihr bei Suche nach eurer neuen Plattenfirma Ausschau gehalten? 
Alex: Die Plattenindustrie hat in den letzten Jahren massive Veränderungen erlebt. Die CD-Verkäufe sind zurück gegangen und die Labels suchen nun nach anderen Wegen um ihren Gewinn zu maximieren. Für Zeromancer ging es hauptsächlich darum, jemanden zu finden, der uns versteht und vor allem Freude daran hat mit zu zusammen zu arbeiten. Jemanden, der eine Version, einen Plan hat. Wir waren immer bei Major-Labels gewesen, aber jetzt haben wir endlich unser passendes Gegenstück in Frankfurt gefunden – Trisol. Bis jetzt sieht es sehr viel versprechend aus! 

OP: Wie du bereits erwähnt hast, hat sich die Musikindustrie in den letzten Jahren stark verändert. Das Internet trägt sicher einen Großteil dazu bei, in dem es mehr und mehr zur größten Plattform heranwächst auf der man nicht nur neue Musik präsentiert, sondern mittlerweile auch verkauft. Die Konkurrenz zur herkömmlichen CD wächst stetig, auch wenn es für viele, mich eingeschlossen, noch keine wirkliche Alternative darstellt – nicht nur wegen den fehlenden, liebevoll gestalteten Booklets. Was denkst du über die Online-Musikverkäufe via Downloadportalen? Könnt ihr euch vorstellen, euer neues Album ebenfalls über diesen Weg zu vermarkten?
Alex: Wie ich bereits gesagt habe – die Dinge haben sich verändert und man kann nicht dagegen ankämpfen. Einige sagen, dass Raubkopien Musik tötet… tut es das wirklich? Es bringt vielleicht die Platttenfirmen um, aber das Interesse an Musik war niemals größer als jetzt. Na klar, es ist schwer für Band zu überleben, aber vor allem Bands fernab des Mainstream sind es gewohnt zu kämpfen. Das ist Teil dieser Szene und unserer Kultur. Die Kids von heute sind es gewohnt Musik herunter zu laden. Es ist immer noch cool CDs zu kaufen – wenn der Look stimmt. Wir hoffen, dass wir unseren Fans einen Anreiz geben können die neuen Sachen zu kaufen. Du musst dich heute anstrengen, musst dafür sorgen, dass Leute es kaufen wollen! Das ist das einzige Geheimnis! Wenn du Fans den nötigen Respekt zollst, werden sie es gerne zurück geben.

Kurzer Themenwechsel: Die Pause zwischen den letzten beiden Alben war lang, die Jungs jedoch alles andere als untätig. Im Herbst 2005 erlebte Norwegen eine Euphorie, die seinesgleichen sucht. Seigmen – in ihrem Heimatland gefeiert wie Götter – schlossen sich für einige Shows wieder zusammen. Nach einer kurzen Tour im Frühjahr 2006 und einigen Festivals, gab es im Mai 2008 ein ganz besonderes Event: 2 Auftritte in der neu eröffneten Oper in Oslo – mit allem was dazu gehört: theatralische Show, Orchester und einem Männerchor als Background-Sänger.

OP: Nach diesem erfolgreichen Comeback scheint es so, als ob ihr die Zeit mit den alten Bandmitglieder mehr als genießt. Wie hast du die erneute Zusammenarbeit von Seigmen erlebt? Welche Unterschiede gibt es zu Zeromancer?
Alex: Die Wiedervereinigung von Seigmen war einfach großartig. Wir hatten einige tolle Shows und es war eine Freude, es für unsere Fans zu tun. Der Auftritt in der Oper hatte etwas… einerseits war es fantastisch dort zu spielen, aber es lief alles nicht ganz reibungslos. Die Vorbereitungen haben eine Menge Kraft gekostet. 2 Monate intensives Proben. Proben mit Seigmen ist schwierig. Ich kann nicht genau sagen, was es ist, aber alles ist ein kleiner Kampf. Das ist der große Unterschied zu Zeromancer. Dort sind wir so eng miteinander verbunden und alle konzentrieren sich nur auf die Band. Alles in allem, bin ich aber froh, dass wir mit Seigmen in der Oper gespielt haben – einige sehr großartige Momente. 

OP: Gibt es Pläne für eine DVD von diesem Seigmen Auftritt?
Alex: DVD??? Ich weiß nicht. Wir werden es sehen…

OP: Zurück zu Zeromancer. Nach einigen erfolgreichen Shows im Sommer in Deutschland und Norwegen – wie sehen die Pläne für eure eigene Europa-Tour aus, insbesondere in Russland, da dort anscheinend eine große Nachfrage herrscht? 
Alex: Wir planen eine Europa-Tour nach dem Release von unserer neuen CD. Wir würden liebend gern in Russland spielen. Der Vertrag für eine Veröffentlichung von „Sinners“ dort ist erst vor kurzem unterschrieben wurden, deswegen hoffe ich, dass wir dieses Mal auch in Russland auftreten können. 

OP: Auf den letzten Live-Konzerten hatten ihr Hilfe von einem neuen Bandmitglied: Lorry Christiansen. Ihr kennt euch länger und Kim teilt sich sogar sein Studio mit ihm. Ist er in die Aufnahmen und das Mixen des neuen Albums involviert gewesen? Wird er weiterhin mit auf Tour dabei sein?
Alex: Lorry ist eine große Inspiration auf der Bühne und als Mensch. Er hat uns bei einigen zusätzlichen Aufnahmen geholfen und mit Kim das neue Album programmiert. Er motiviert uns härter auf der Bühne zu arbeiten und hat seinen Platz bei Zeromancer gefunden – alles zum Besten.

OP: Was ist mit Erik? Er hatte ja gerade sein Medienstudium beendet. Laut seiner eigenen Aussage mochte es ja nie wirklich auf der Bühne zu stehen. Habt ihr immer noch Kontakt zu ihm? Wird er zumindest beim Produzieren der nächsten Alben aushelfen?
Alex: Ja, wir haben immer noch Kontakt zueinander, aber er arbeitet jetzt mit A-ha zusammen.

OP: Du produziert in letzter Zeit auch sehr viel für die unterschiedlichsten Bands. Neben einigen lokalen Größen finden sich überwiegend wie Newcomer in deiner Obhut wieder. Was treibt dich dazu an? Fragen dich normalerweise die Künstler an oder ist es gerade anders herum?
Alex: Meine Motivation ist kreativ zu sein und in meine Arbeitsweise zu verbessern. Ich liebe meine Arbeit, auch wenn es manchmal ganz schön nerven kann mit einigen Idioten umzugehen. Aber ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass ich auch mal ein unsicherer Grünschnabel gewesen bin. Das gehört zum Spiel dazu. Ich will einfach, dass sich die Bands in meiner Gegenwart gut fühlen, als Team zusammen zu arbeiten, Spaß zu haben! Und natürlich gute Platten aufzunehmen! Normalerweise kontaktieren die Band mich. Und es ist toll mit unverbrauchten Talenten zu arbeiten. Das gibt einem so viel Energie!

OP: Wenn du wählen könntest, mit welcher Band du zusammenarbeitest, wer wäre dein Favorit?
Alex: Ohh, ich weiß nicht. Es wäre cool mit einigen der Pioniere der Szene zu arbeiten. Ich hatte kürzlich einen Track mit Martin Atkins (u.a. verantwortlich für Einspielungen der Drums für Public Image Ltd., Killing Joke, Nine inch nails, Ministry) für sein Projekt „Pigface“ aufgenommen!

OP. Schweifen wir ein wenig von der Musik ab und widmen uns ein paar aktuellen Ereignissen. Anfang Oktober feierte Deutschland den Nationalfeiertrag zum Gedenken an die einstmals gespaltene Republik. Anders als in Norwegen wird der Feiertag sehr förmlich zelebriert und in der Regel locken nur die Großveranstaltungen mit Pop- und Rockmusik die Menschen in den vereinzelten Großstädten auf die Straßen. Der 17. Mai hingegen ist immer ein einziges großes und farbenprächtiges Ereignis: Flaggen und Menschen wohin das Auge auch schaut – überall! Was denkst du über diese skandinavische Eigenart? Wie feierst du euren Nationalfeiertag?
Alex: Die ganze Euphorie scheint etwas nationalistisch zu sein, aber das Gegenteil ist der Fall. Es ist toll für die Kinder und einfach wunderbar zu sehen, wie alle Menschen der in Norwegen lebenden, unterschiedlichen Kulturen zusammen feiern. Ich gehe zu den Paraden wegen meiner kleinen Stieftochter. Der Tag ist wunderschön – nur wegen ihr. 

OP: Und weil wir gerade von unterschiedlichen Traditionen sprechen… Das weltberühmte deutsche Oktoberfest fand ebenfalls erst vor kurzem wieder statt. Das wohl bekannteste Event, dass die meisten Ausländer zuerst mit Deutschland verbinden. Konntest du das Fest jemals miterleben?
Alex: Ich habe es mal auf Tour gesehen, aber nicht wirklich viel davon mitbekommen. Die Kleidung ist jedenfalls amüsant.

OP: Die wenigsten Wies’n-Besucher bekommen viel davon mit ;). Einer der Gründe, wenn nicht sogar der einzig: Bier in Massen. Magst du den deutschen Gerstensaft – und gibt es eine Lieblingssorte? 
Alex: Deutsches Bier ist fantastisch. Ich liebe es. Aber es gibt auch eine Menge schreckliches Gebräu – wirklich unheimlichen Stoff…
(Anmerkung: … was er da wohl im Glas hatte…) 

OP: Die vorwiegend weiblichen Fans (egal ob jung oder alt) bewundern deinen anatomisch guten Körperbau und deinen trainierten Body. Welches Geheimnis steckt dahinter?
Alex: Danke! Ich arbeite natürliche sehr hart daran: 14 Stunden Work-out und auf dem Speiseplan steht nur Reis. (Anmerk: O.o *verdammt*) Nein, alles nur Spaß. Wenn es überhaupt ein Geheimnis gibt, dann sind es Mutti und Vati. Sie haben mich so gemacht. (Anmerk.: *puh* Doch nur die Gene… *g*) 

OP: Dein Modegeschmack ist aber auch nicht von schlechten Eltern. Gibt es hier irgendwelche Tipps?
Alex: Ich habe ziemlich häufig eingekauft und tonnenweise Geld für Klamotten ausgegeben. Ich haben dafür bisher zwei Lieblingsplätze: Einer ist in Oslo und der andere in L.A. Wenn jemand einen Geheimtipp in Deutschland für unsere nächste Tour hat – lasst es mich wissen ;). 

OP: Vielen Dank für das Interview. Ein paar abschließende Worte an Leser und Fans?
Alex: Es ist beeindruckend die Geduld unserer Fans über die letzten Jahre zu sehen. Sie haben uns jeden einzelnen Tag unterstützt. Unsere Mission wird es sein, alles zurück zu geben – mit einem neuen Album, einer neuen Tour. Wir wollen den besten Fans der Welt unseren Respekt zollen. 

Thank you!!!!!! Alex

(Interview + Konzertfoto: Ina Pusch)

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