Interview mit Daniela Vorndran

Opus Ultimum wird in den nächsten Wochen einige ungewöhnliche Interviews führen. Wir befragen nämlich keine Musiker, die umjubelt oder gescholten auf der Bühne arbeiten, sondern Vertreter der vielen Menschen, die diese Musikszene außerdem ausmachen. Wir werden also Produzenten, Manager, Techniker, Veranstalter und Djs befragen, was ihre Tätigkeit ausmacht und welchen Platz diese in ihrem Leben einnimmt. Beginnen wollen wir mit einer der besten Konzertfotografinnen unserer Zeit, wir stellen Fragen an Daniela Vorndran:

Wann hast Du mit Konzertfotografie begonnen und was war der Grund für diesen Beginn? 

Der Auslöser war erst einmal das Depeche Mode Konzert im herbst 1998 in Hannover. Ich hatte meine Kleinbildkamera dabei und versuchte, Fotos zu machen… was erst einmal kräftig in die Hose ging. Die Bilder konnte ich komplett weg werfen. Also hab ich nach und nach versucht, das besser zu machen. Am Anfang immer noch mit der analogen Kleinbildkamera… und jeder Menge Ausschuss… was bei Filmen und Entwicklung irgendwann ganz schön teuer wurde. Anfang 2003 bin ich dann auf eine kleine digitale Casio umgestiegen… die Bilder wurden besser, Kontakte zu Bands und Labels kamen und irgendwie entwickelte sich alles weiter. Ende 2004 habe ich mir dann meine erste digitale Spiegelreflex Kamera gekauft, weil ich mit den Einschränkungen der Casio nicht mehr leben wollte ;)

Was war Dein bedeutendstes Erlebnis in Deiner Laufbahn? 

Für mich persönlich war es die Möglichkeit, Depeche Mode am 20.1.06 in der LTU Arena in Düsseldorf zu fotografieren. Depeche Mode sind seit 1984 meine absolute Lieblingsband und es war schon immer mein Traum, diese Band mal vor die Linse zu bekommen. Ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um diesen Traum wahr zu machen… und irgendwann hat es sich dann gelohnt :)

Depeche Mode. Foto: Daniela Vorndran

Bearbeitest Du Deine Bilder? Wenn ja, bearbeitest Du die Bilder eher so, dass es Deinem Stil gerecht wird oder ist es eher der Gedanke, der erlebten Stimmung bzw. der Band gerecht zu werden?

Ich bearbeite alle meine Bilder nach… und wenn es nur leichte Tonwertkorrekturen sind. Was die Stimmung und meinen Stil angeht, versuche ich, beides zu vereinen. Ganz wichtig ist natürlich, dass die Konzertstimmung, das Licht usw. rüber kommt und man sich wieder wie dabei fühlt. Dahingegen will ich natürlich auch, dass man meine Bilder auch als MEINE Bilder erkennt. Ich denke schon, dass sich da über die Jahre ein eigener Stil entwickelt hat. Ich liebe kontrastreiche schwarz-weiß Bilder und so bearbeite ich meine Fotos dann auch oft.

Angenommen, Dir würde ein Angebot einer weltweit populären Musikgröße wie Depeche Mode, Robbie Williams oder – um in Deutschland zu bleiben – Rammstein, vorliegen, eine Welttournee exklusiv abzulichten … wäre da die Versuchung groß, den eigenen Job zumindest für diese Zeit an den Nagel zu hängen oder möchtest Du das Fotografieren eher als unbezahlte und damit freie Leidenschaft beibehalten?

Ich würde meinen Tagesjob dafür sofort an den Nagel hängen. Es gibt doch nichts schöneres, als seine Leidenschaft und den Beruf zu kombinieren. Allerdings ist natürlich der Vorteil der Fotografie neben dem normalen Beruf, dass man sich seinem Musikgeschmack entsprechend die Bands aussuchen kann. Aber wenn ich die Möglichkeit der Wahl hätte… ich würde mich für die Fotografie entscheiden – und hoffen, dass ich auch noch Bands fotografieren kann, die ich persönlich mag. ;)

Bist Du schon einmal ein persönliches Risiko eingegangen, um eine besonders aussichtsreiche Foto-Position zu erlangen?

Wenn man es als Risiko sehen würde, auf Boxen zu klettern, dann ja. Oder sich in die pogende Menge zu begeben, um ein paar gute Fotos zu kriegen. Da muss man ein bisschen aufpassen. Das war´s dann aber auch.

Du bist seit Jahren bei vielen Musikern für Deine großartigen Werke bekannt … Wie ist das während des Auftritts: meinst Du, dass Dich die Künstler auch da erkennen und sozusagen mit Dir kommunizieren?

Covenant. Foto: Daniela Vorndran

Teilweise auf jeden Fall. Besonders bei Künstlern, die man gut kennt, erhält man doch mal den direkten Blick in die Kamera oder ein Lächeln. Das gibt den Bildern einen besonderen Charme. Aber auch bei Künstlern, die einen nicht kennen, kommt es vor, dass man als Fotografin wahrgenommen wird und so einen Kontakt aufbauen kann. Sowas freut einen dann natürlich besonders.

Bei größeren Konzerten gibt es meistens einen so genannten Fotograben, in engeren Clubs fällt dies leider weg und man muss sich den Weg freikämpfen. Wie arbeitest Du lieber? Agierst Du lieber im geschützten Bereich oder hat auch die freie Arena ihren Reiz?

Es hat beides seinen Reiz. Der Fotograben hat natürlich den Vorteil, dass man mit etwas mehr Ruhe und wechselnden Positionen arbeiten kann. Wenn man in der Menge steht, kann man dahingegen besonders die Konzertstimmung mit einfangen. Ich möchte beides nicht missen. Und meist sind die Konzertbesucher ja auch sehr nett und ermöglichen das einigermaßen ungestörte Fotografieren auch aus der Menge heraus. Besonders schön ist es, wenn man ein komplettes Konzert fotografieren kann. Da hat man viel schönere Situationen, als wenn man auf die üblichen drei Songs beschränkt ist.

Bevor Du mit Spiegelreflexkameras gearbeitet hast, hattest Du auch mit kleineren Kameras schon sehr beachtete Bilder schießen können und damit gewissermaßen den Mythos von der übergroßen Rolle der Technik entkräftet. In wieweit denkst Du, dass die Technik heutzutage dennoch für die gestalterische Freiheit mit-verantwortlich ist?

Nitzer Ebb. Foto: Daniela Vorndran

Eines stimmt, Technik ist nicht alles. Viel mehr zählt das gute Auge und dass man die Stimmung in sich mit aufnehmen kann. Aber gute Technik macht doch vieles leichter. Ich schätze es sehr, in meinen Ideen und der gestalterischen Freiheit nicht mehr durch die Technik limitiert zu sein. Jetzt kann ich Bilder gestalten, wie ich es will und nicht, wie es mit der Technik möglich ist. Das war vorher doch schon manchmal sehr nervend … besonders wenn man tolle Situationen durch die langsame Kamera verpasst hat. Da hab ich mich mehr als einmal richtig geärgert. Heute ärgere ich mich nur noch, wenn wirklich kein Licht da ist… oder nur knallrot. Da muss man sich zu sehr auf die Technik als auf die Situation konzentrieren.

Gab es auch schon unerfreuliche Erlebnisse während eines Konzerts, und wenn ja, welche?

Die gibt es nicht oft, aber es kommt ab und an mal vor. Beispielsweise einmal, als die Security die Anweisungen des Tourmanagements missverstanden hat und die Fotografen komplett aus der Halle anstatt nur aus dem Fotograben begleitet hat. Da half auch alle Diskussion nicht. Ein anderes mal wurde man als Fotograf sogar tätlich „angegriffen“, als man für seine 3 Songs im Fotograben war…das ging von Haare ziehen über Schubsen usw. Danach wusste man, was man getan hat.

 

Woche für Woche neben der eigentlichen Arbeit abends zu Konzerten zu fahren und die Bilder danach zu bearbeiten sowie Berichte zu schreiben, kostet ja viel Kraft. Hältst Du Dich hierfür noch anderweitig fit oder ist das Konzertfotografieren gleichzeitig so eine Art Fitnessprogramm? Oder bist Du so konzentriert, dass du die Anstrengungen gar nicht wahrnimmst?

Zum anderweitigen fit halten hab ich gar keine Zeit. Ich halte mich irgendwie mit den Konzerten an sich fit. Die Arbeit danach zu hause ist teilweise schon extrem. Freizeit gibt es da nicht mehr viel. Und manchmal merkt man auch den Schlafmangel. Aber das macht ja Spaß und meistens merkt man die Anstrengungen nicht so sehr… nur manchmal brennen nach Stunden am Rechner die Augen oder der Rücken schmerzt. Da muss man dann durch ;) Das Lob von Bands und Fans entschädigt später für einiges. ;)

Auf welches Konzertereignis in diesem Jahr freust Du Dich schon ganz besonders?

Aufs M’era Luna Festival freue ich mich zum Beispiel schon sehr – viele Bands, das Treffen mit vielen lieben Fotografenkollegen, Quatschen, die Atmosphäre… das ist schon jedes Jahr was Besonderes – auch wenn so ein Festival sehr, sehr anstrengend ist. Ansonsten kommen dieses Jahr noch einige Bands, die ich sehr gerne mal ablichten würde… Nine Inch Nails, OMD, Roger Waters… aber ob das alles so klappt, steht noch in den Sternen. Da haben die entsprechenden Promoter und Labels auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Gibt es andere Themen auf fotografischem Gebiet, die Du gern mal in Angriff nehmen würdest?

Was ich auf jeden Fall öfter als in der Vergangenheit machen möchte, sind „normale“ Bandfotos… zum Beispiel für Promo Zwecke. Da werde ich mich noch ein bisschen mehr drauf konzentrieren, wenn es die Zeit irgendwie erlaubt. Daneben möchte ich auch noch mehr People-Fotografie machen. Das ist doch eine ganz andere Arbeitsweise, in die ich mich teilweise auch erst rein finden muss. Zum Beispiel würde ich sehr gerne mehr im Bereich Studiofotografie lernen – richtig Licht zu setzen usw. Das wäre auch sehr spannend. Aber da sind wir wieder beim Thema Zeit…

Diary of Dreams. Foto: Daniela Vorndran

Planst Du in Zukunft Ausstellungen oder Publikationen, oder ist diese Art von Öffentlichkeit in den Zeiten der neuen Medien eher uninteressant geworden?

Das ist auf keinen Fall uninteressant, auch wenn Onlinemedien im Moment sehr wichtig für mich sind. In den Printmedien bin ich ja schon vertreten… regelmäßig im Sonic Seducer zum Beispiel. Das würde ich aber auch gerne noch ausweiten. Eine Ausstellung plane ich für dieses Jahr auch. Nichts Großartiges… Einfach Bilder hier am Ort in einer Musikkneipe ausstellen. Ich möchte einfach noch weiter bekannt werden… um meinem Traum, irgendwann mal komplett den normalen Beruf adieu zu sagen und mich ganz der Fotografie zu widmen, näher zu kommen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Dir und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg und natürlich auch privat alles Gute!

Vielen Dank und euch auch alles Gute!

Und hier kann man Fotos von Daniela sehen:
http://www.vorndranphotography.com
http://www.black-cat-net.de

 

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