Interview mit Julien-K

Nachdem Julien-K erfolgreich die Europa-Tour abgeschlossen haben, nutzten wir die Gelegenheit, noch ein paar Fragen an die Jungs los zu werden, die uns unter den Nägeln brannten. Amir Derakh (AD) und Ryan Shuck (RS) stellten sich dem Interview:

Beginnen wir doch am besten mit eurem Debüt-Album „Death to analog“. Was bedeutet der Titel für euch? Ist er vielleicht sogar richtungsweisend für die Gesellschaft, in der wir leben?
AD: Für mich bedeutet es, einfach nicht wie jeder andere oder eine schlechte Kopie von etwas zu sein. Das heißt, die eigenen Visionen zu verwirklichen – kreativ wie stilistisch.

Habt ihr irgendwelche Liebingssongs? Welche und warum?
AD: Ich würde sagen „Maestro“ und „Someday soon“. Es waren die ersten Songs, die für das Album geschrieben worden sind und haben sich über die Jahre sehr gut gehalten.

Beschreibt kurz, wie ihr arbeitet. Wie beginnt ein Song zu entstehen? Woher bezieht ihr eure Inspirationen und welche Aufgabe fällt jedem einzelnen Bandmitglied zu?
AD: Wir haben alle unsere eigene Art Songs zu schreiben. Ich persönlich beginne mit einem Konzept oder einem Titel. Danach steigt der Rest ein und der Songs wird dann von allen gemeinsam weiterentwickelt und aufgebaut. Bezüglich der Inspiration: die ziehe ich hauptsächlich aus den Dingen, die ich sehe und höre. Dazu gehören Reiseindrücke, Fotografien, Kunst , Filme, neue Bekanntschaften und Musik aus allen Ecken des Globus. 

Gemessen daran, dass „Death to analog“ in den USA bereits im März 2009 veröffentlicht wurde, hat es eine ganze Weile gedauert, bis euer Album auch hier in Europa das Licht der Welt erblickte. Was steckte dahinter? Gab es Schwierigkeiten, ein geeignetes Label zu finden und wie seit ihr letztendlich auf „Tiefdruck“ gestoßen?
RS: Unsere Plattenfirma in Amerika (Level 7 Artists) bekam aus anderen Gründen einige, schwierige juristische Probleme, welche die Arbeit bzw. Veröffentlichungen jedoch größtenteils blockierte. Nach längeren, zähen Verhandlungen gab es aber schließlich eine Einigung und die Freigabe zum (weiteren) Release der Musik.
„Tiefdruck“ war eine großartige Wahl für uns, denn der Besitzer Daniel Heerdman ist geschickt und voller Leidenschaft für die Musik. Er hat tolle Mitarbeiter, die auch Fans von unserer Band sind. Das ist sehr hilfreich. Deswegen ist es uns auch egal, dass es eigentlich eher ein Metal-Label ist – und ich glaube den Fans geht es ähnlich – denn ich glaube, Fans wollen einfach gute Musik.

Shuck, du hast einmal gesagt, dass es keine Band mehr gibt, die dich schlicht mitreißt und dich gefragt, wohin der ehemals so berüchtigte Rock’n’roll Ruhm verschwunden ist. War das einer der Hauptgründe die zum Bruch mit Orgy geführt haben oder welche anderen Gründe haben dazu geführt, dass ist die Band so plötzlich von der Bildfläche verschwunden ist?
RS: Nun ja, eigentlich haben wir Orgy nie verlassen. Orgy hat einfach aufgehört zu arbeiten. So, technisch gesehen, ist Orgy immer noch da – nur wird gerade an keinem neuen Material gearbeitet. Und was mein Statement betrifft: Ich meinte damit, dass ich es nicht wirklich sehe, dass Künstler heutzutage versuchen etwas neues zu schaffen, sei es neue Genre, Mode usw., wie es viele Bands damals getan haben. Vielleicht liegt es daran, dass die Musikwirtschaft insgesamt schrumpft. Künstler, die heutzutage wirklich innovativ sind, sind meist nur in kleineren Szenen zu finden – sie sind also selten so präsent, wie es z.B. Orgy in der Anfangszeit waren.

Und anstatt auf andere zu warten, habt ihr euch mit Julien-K selbst ja auf die Fahnen geschrieben, anders und innovativ zu sein. Wie würdet ihr selbst euren Musikstil beschreiben? Wollt ihr vielleicht selbst ein eigenes Genre kreiren (und etablieren), wie es z.B. einige andere Bands wie HIM mit „Love Metal“ oder die Deathstars mit „Death glam“ versuchen?
RS: Ehrlich gesagt, versuche ich zu vermeiden an so etwas zu denken. Ich will einfach nur gute Musik schreiben, die frisch und interessant klingt. Dazu versuche ich, verschiedene Elemente, die selbst liebe, zu kombinieren und verschiedene Stilrichtungen und Gefühle in meine eigene Musik zu integrieren.

Wo wir jedoch gerade dabei sind: Was verbirgt sich hinter dem Namen „Julien-K“?
RS: Ein wohlgehütetet Geheimnis ;). Aber es sehr leicht heraus zu finden… [Anmerkung: Offensichtlich wird auf die sehr bezeichnende Abkürzung „JK“, welches einer bekannten Marke ziemlich nahe kommt, angespielt]

Noch bevor das Debüt-Album hier das Licht der Welt erblickte waren Julien-K fleißig im Web zu Gange. Unter anderem wurde dabei auch zu einem Remix-Contest für den Song „Kick the bass“ aufgerufen. Wir wollten nun wissen, wie es zu dieser coolen Idee kam bzw. welche Gründe dahinter standen. Schließlich könnte die Band aufgrund ihrer guten Kontakte für das Mixing der Songs ohne weiteres auf namhafte Musikgrößen zurück greifen:
AD: Wir haben das schon ein paar Mal gemacht und es hat für uns immer super funktioniert. Ich persönlich liebe es unsere Songs neu interpretiert zu sehen und wir hatten damit auch schon zu Zeiten von Orgy begonnen gehabt. 

Könnte man also sagen, ihr bevorzugt die Arbeit mit neuen Bands?
AD: JA! Ich denke, es ist wichtig frisches Blut an die Mischpulte zu lassen. Ich suche immer nach neuen, aufstrebenden Talenten zum Remixen von allen unseren Bandprojekten, inklusive der Band „Circuit Freq“. 

Auch wenn es für euch zur Zeit vielleicht keine Bands/Künstler gegeben mag, die in euch zu eurem Schaffen bzw. zu etwas neuem inspirieren, gibt es immer noch einige Musiker, mit denen ihr gerne unbedingt einmal zusammen arbeiten würdet? Wenn ja, wer und warum?
AD: Eigentlich gibt es für uns einige „neue“ Bands, die uns tatsächlich inspirieren… Ich würde sagen, „Soulwax“ ist eine große Inspiration für mich und Fu [Keyboarder, der Band] und ich weiß, dass Ryan die „Editors“ wirklich mag. Ja, ich denke, es gibt gerade jede Menge gute Bands da draußen.

„Dead by Sunrise“, hierzulande als DAS Soloprojekt von Linkin Parks Sänger Chester Bennington bekannt, besteht, wenn man es genau nimmt jedoch auch zu 100% aus Julien-K. In welcher Beziehung stehen also die beiden Bands zu einander?
AD: So einfach wie offensichtlich: Chester ist das Aushänge-Schild bei „Dead by Sunrise“ und dementsprechend auch die treibende Kraft hinter den Songs. Er schreibt die meisten Stücke größtensteils allein. Julien-K dagegen lebt von Ryan, Fu und mir, wobei Ryan zudem die Rolle des Sängers übernimmt. 

In der Vergangenheit hattet ihr neben der Musik auch immer besonders großen Wert auf den „Look“ der Band, also die Art und Weise der Bühnenpräsentation gelegt und vor allem bei vielen neuen „Shooting“-Stars ist das Erscheinungsbild ein elementarer Bestandteil bei der Vermarktung der Lieder. Wie wichtig ist euch das Image der Band heute?
RS: Einen bestimmten Look zu besitzen, ist sehr wichtig. Wir lieben Mode und Design, so dass es selbstverständlich ist, dass wir auch visuell den Eindruck der Band verstärken bzw. die Geschichte dahinter zum Ausdruck bringen.

Um etwas allgemeiner zu bleiben: Welchen Stellenwert hat die digitale Welt für euch? 
AD: Sie ist sehr wichtig, denn es ist die Welt in der wir leben. Ich begrüße es mit ganzen Herzen und freue mich daran. Aber gleichzeitig, schrecke ich nicht davor zurück das alte, analoge Equiment ebenso zu benutzen, wenn es das ist, was gebraucht wird. 

Was haltet ihr von der Vielzahl der „Social Networks“ heutzutage? Beteiligt ihr euch daran und wenn ja, wie und welchen Nutzen messt ihr ihnen bei?
AD: Ich bzw. wir benutzen die meisten, wenn nicht sogar alle neuen Netzwerke, hauptsächlich um auf dem Laufenden zu bleiben, was unsere Freunde und Familie betrifft. Natürlich nutzen wir diese Plattformen aber auch, um unsere Fans regelmäßig zu informieren. Ich persönlich mag Twitter man liebsten – wer will kann die Einträge hier verfolgen: www.twitter.com/amirderakh

Bevor wir uns nun auch langsam dem Ende nähern, noch ein paar Fragen zur Tour und den Zukunftsplänen:
Wie fandet ihr euere kurze Tour durch Deutschland?
AD: Großartig! Wir lieben Deutschland und ganz Europa.

Mit Julien-K war ihr ja das erste Mal hier. Entgegen den Konzerten mit „Dead by sunrise“ waren die Clubs deutlich kleiner und wenn man den Berichten glaubt, auch nicht immer so gut gefüllt. Wie fühlt es sich an, quasi noch einmal ganz von vorne zu beginnen?
AD: Es fühlt sich immer richtig an, etwas vom Grund her aufzubauen. Auf lange Sicht gesehen, ist diese Art und Weise befriedigender. 

Gibt es Lieblingsstädte hier in Deutschland oder Europa? Wenn ja, welche und warum?
AD: Das ist eine knifflige Frage, denn wir lieben so viele Orte in Europa. Ich denke nicht, dass wir schon an genug Orten gewesen sind, um bereits eine Wahl treffen zu können.

Was darf auf der Tour keinesfalls fehlen?
RS: Unsere Laptops. … Oder vielleicht mein Handy. Tatsächlich nutze ich mein Handy wohl öfters als den Computer. Google Maps ist ein wahrer Lebensretter in Europa!

Wie entspannt ihr euch von dem ganzen Stress?
AD: Ich gehe aus und lasse zusammen mit Freunden Dampf in lustigen Nachtclubs ab.
RS: Ich suche coole Hotels, Restaurants und Bars, die gute Musik spielen, tolle Essen und Designs sowie interessante Drinks haben und wo sich gutaussehende Leute sammeln. 

Die USA und Japan sind ja bereits vor uns in den Genuss eurer Livequalitäten gekommen. Wie waren die Reaktionen dort? Könnt ihr vielleicht sogar einen besonders denkwürdigen Moment schildern?
RS: Unsere Show mit Linkin Park bei Project Revolution! 20.000 Leute und wir hatten zuvor noch nie wirklich als Julien-K zusammen vor Publikum gespielt. Wir hatten keine Ahnung, was wir erwarten sollte. Und ich war zudem noch nie der Lead-Sänger gewesen! Ich hatte keine Idee, wie ich mich verhalten oder was ich tun sollte. Es war verblüffend als die Leute tatsächlich mit der Musik mitgegangen sind. Sie hatten uns noch nie zuvor gesehen und schrien trotzdem mit… Es war großartig. Es funktionierte. Wir haben uns tierisch gefreut.

Wenn man es genau nimmt, ist euer Debüt-Album nun schon über ein Jahr alt. Gibt es bereits Pläne für einen Nachfolger?
AD: JA! Wir knien uns gerade richtig in die Produktion des neuen Albums und haben bereits vier neue Songs auf der Europa-Tour gespielt. Es ist geplant, den Nachfolger Anfang des nächsten Jahres heraus zu bringen, inklusive weiterer Shows hier in Übersee.

Die berühmten letzten Worte:
RS: „buy our fucking music“.

Also, dann: Ran an die Platten! =) 

Das Interview führte Ina Pusch.
Hier findet man unseren Konzertbericht aus Hamburg.
Homepage von Julien-K.

 

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