Konzertbericht: Felix Meyer in Dresden

Bilder aus Regenwochen und Riesenrad

Manchmal denken wir, der Winter geht niemals zu Ende,
Eine grausame Stadt nur noch Fenster und Wände.
Ein paar Küsse und Filme hat die Erinnerung bewahrt,
Bilder aus Regenwochen und Riesenrad.

Man wusste nicht recht ob die angegebene Zeit 20.30Uhr wohl den Beginn oder Einlass des Konzertes verlauten lässt. So verschlug es uns gegen 20 Uhr in das Schauburg Theater nach Dresden und entgegen aller Erwartungen empfing uns am Eingang eine lange Schlange, welche über die Treppenabsätze zum Kinosaal führte. Einige erwartungsvolle Besucher wurden sogar von der Empfangsdame zurückgewiesen, da das Konzert ausverkauft war. Die stilvolle Location füllte sich demzufolge bis zu dem letzten Platz und die Kinosessel sollten nur während des anfänglichen Films als Sitzplätze dienen. Besagtes Intro, welches den unglaublichen Abend einleiten sollte, zeigte die Geschichte die hinter Felix Meyer und seiner Band steht: Die 15jährige Erfahrung als Straßenmusiker, die Entdeckung durch einen Produzenten in Lüneburg sowie die Bilder, welche Vorlage für seine Texte bilden. Unter anderem erzählte der Sänger von seiner Begegnung mit den schachspielenden Gott und Teufel, welche wohl zwei Freunde waren, die gerne Schach spielen und durch das Tragen ihrer besonderen Kostümen etwas zusätzliches Geld in ihren Koffer geworfen bekommen. Besagtes Bild diente als Vorlage für den wundervollen Song „Liebe, Dreck und Gewalt“. Weiterhin erzählte uns der unvergleichliche Künstler, der seine Karriere einschlug um die Welt zu bereisen, von dem Teppich, welcher die Band von Anfang an begleitet und den Staub jeder Stadt beinhaltet. (Im Übrigen wäre es nicht unwahrscheinlich zu glauben, dass dieser Teppich auch fliegen könne.) Der Film der viele interessante Details der Bandgeschichte bereithält wird für die Musikliebhaber, welche an der Tour leider nicht teilnehmen konnten, am 13.07. auf Arte erneut ausgestrahlt. Auf den 30minütigen Film folgte direkt der Auftritt der Band. Direkt wurde man von der ausgelassenen Stimmung gepackt und mitgenommen auf eine unfassbar schöne musikalische Reise, welche den Zuhörer unter anderem ans Meer („Nordwind“) und nach Spanien („Corrida“) entführte. Nach jedem der atmosphärischen Lieder folgte verdienter, tosender Applaus. Die Musiker behielten immer die Nähe zum Publikum und wundervoll-ausgelassene Stimmung wurde zwischen den Kinositzreihen zelebriert. Das ausverkaufte Konzert war definitiv ein musikalisches Highlight: Felix Meyer und seine Band überzeugten mit ihrer Performance zum kürzlich erschienenen Album “Menschen des 21. Jahrhunderts“ mit großartigen, melancholischen Texten, welche aber immer wieder auch optimistisch-tanzbar bleiben.

„Wie der Tag heut zur Nacht wird, wird der Schnee wieder Regen.
Wie die Wolken vorbeiziehen, wird’s sie nie wieder geben…“

Bericht + Foto: Claudia Helmert
Weitere Fotos befinden sich in unserer Galerie.

Kommentar hinterlassen