Konzertbericht: Frozen Plasma & Torul in Frankfurt

Als sich die Nacht über Frankfurt legte, war es Zeit sich ins Bett zu begeben. Der einfache Grund: die Doppel-Headliner Show von Torul und Frozen Plasma. Die Schar der Besucher hielt sich jedoch in Grenzen. Dennoch waren zumindest genügend Nachtschwärmer erschienen, um bei gleichmäßiger Verteilung den Eindruck einer ansehnlich gefüllten Halle zu hinterlassen.

Mit leichter Verzögerung starteten Torul beschwingt ihr Set. Sänger Jan trat mit einer handvoll Knicklichter zum Geschehen, warf diese allerdings zunächst bloß auf den Bühnenboden. Eigensinnige Art und Weise für die Beleuchtung zu sorgen. Die Bühne war ansonsten auch eher minimalistisch gehalten. Als Eye-Catcher diente nicht zuletzt amüsant das durch gekonnte Klebetechnik als brennende Kerze umgestaltete Logo des Computers von Bandleader Torulsson. Musikalisch zündete die Show anfangs jedoch nicht. Bis auf wenige Anhänger, die Feuer und Flamme standen und ihren Emotionen freien Lauf ließen, rührte sich im Publikum nicht viel. Auf der Bühne schienen die Musiker auch in ihrer eigenen Welt zu sein. So versank Jan offenbar oftmals ergriffen in jedes einzelne Stück. Die dabei hervortretenden verzerrten Mimiken muteten ebenso faszinierend wie irritierend an. Entspannt und gelassen war der Gesichtsausdruck in der Regel nur bei den äußerst knappen Danksagungen zwischen den Liedern. Ansonsten zeigten sich die Herren selbst nicht besonders redselig. Die eingefleischten Fans schien diese Zurückhaltung nicht weiter zu stören, sondern gerade zu noch mehr Begeisterung anzustacheln. Das Gros der Leute dagegen übte sich über weite Strecken in deutlich mehr Reserviertheit. Die punktuell überschwängliche Begeisterung einiger Zuschauern wollte sich einfach nicht auf die breite Masse übertragen. Der Zugang zu den komplexeren, elektronischen Klangstücken musste auch erst einmal gefunden werden. Nicht zuletzt die sonore, kräftige Stimme, die teilweise stark an vertraute Sänger der Szene erinnerte, half dabei. Spätestens bei den eingänglicheren Stücken, wie der 2014er-Single „All“ oder „The Fall“, kam schließlich mehr Bewegung ins Spiel. Für die Fans der ersten Stunde gab es hier kein Halten mehr und auch der Rest verfiel in kollektives Mitwippen. Mit etwas gutem Zuspruch und zur sehr zur Freude der Musiker stimmte das Publikum darüber hinaus klatschend in den Takt ein. Während der Show schmiss Jan immer wieder mal einige der Knicklichter in die Menge, die von den Zuschauern gerne aufgefangen und als dekorativen Accessoires genutzt worden. Die Band schloss das Set zunächst mit „If you wish so“. Nach dem Verlassen der Bühne schwoll der Jubel schließlich noch einmal so weit an, dass die Jungs für drei weitere Zugaben erneut hervortraten. Mit drei weiteren Songs, deren Abschluss „Wake up“ bildete, endete die Perfomance schließlich nach einer guten Stunde. Derart wachgerüttelt wurde das Publikum in die Umbauphase entlassen.

Setlist (keine Gewähr):
Lonely Night
The Balance
Higher
Difficult to Kill
Hearts
All
Try
The Fall
Show me your city
Where the night starts
If you wish so
—-
Silence of a dead tree
Lost for you
Wake up

Die Wartezeit konnte gut dafür genutzt werden, noch einmal kurz die Füße hochzulegen. Erheiterung oder Kopf schütteln erntete dabei die Assistenzkraft, die sich im Vorfeld vielleicht den Bühnenaufbau gründlicher hätte anschauen sollen. Die erste Aufstellung der Namensbanner verkündete den Auftritt von „Plasma Frozen“. Das ist zwar auch ein interessanter Bandname, traf die Sache aber nun nicht ganz. Beim finalen Checkup fiel das Versehen, über das sich die Fans bereits mehr oder weniger sichtbar amüsierten, zum Gück doch noch auf und wurde richtig gestellt. Von diesem Schmunzler abgesehen, zog sich das Warten im Übrigen allerdings recht zäh hin.

Frozen Plasma

Gegen 22 Uhr hieß es Start frei für Frozen Plasma. Die Band legte bejubelt mit „Age after Age“ los, das anfangs noch etwas holprig aus den Boxen dröhnte. Mehrmals setzte die Technik für wenige Momente aus. Schon bei „Foolish Dreams“, einem weiteren Song vom aktuellen Album „Dekadenz“ lief es fortan reibungslos. Bezeichnend für das gesamte Set, in dem viel von „Dekadenz“ live vorgestellt wurde, streuten Vasi und Felix zwischendurch immer ein paar Klassiker ein. Und so ertönte als dritter Track und in „Raterunde 1“ der „Earthling“. Ein Fan in vorderster Reihe erriet ihn beim ersten Versuch. Die Interaktion mit dem Publikum lockerte die Stimmung kräftig auf und brachte langsam das Blut in Wallung. Frontmann und Sänger Felix Marc zeigte sich selbst sportlich und gelaunt wie immer. Zu seiner Perfomance diesmal zählte unter anderem ein kleine japanische Kampfkunsteinlage sowie als Homage an Vasi Vallis Herkunft ein kurzer Sirtaki. Beim lustigen Songraten in Runde 2 – welcher Klassiker kommt wohl jetzt? – sackte die gute Einstiegsquote vom Ratefuchs aus Reihe eins leider tief nach unten. Zwar sollte sein Vorschlag „Crazy“ auch bei dieser Show nicht fehlen, aber erst an anderer Stelle kommen. Die richtige Antwort diesmal lautete nämlich „Irony“. Humorvoll ging es ebenso nach der Ansage „Wir spielen jetzt einen Coversong – den kennt ihr bestimmt“ zu, bei dem aus der Menge der Zuruf „Last Christmas“ zu vernehmen war. Tatsächlich handelte es sich dabei um „Livin on video“, um das man in den 80zigern in den Club nicht herum gekommen ist. Überhaupt war – im Gegensatz zur vorangegangen Band – die Interaktion mit dem Publikum hervorragend und verdient eine eins mit Sternchen. Trotzdem waren die Reaktionen der Zuschauer stellenweise eher verhalten. Unverständlicherweise leerte sich der Saal – zumindest gefühlt – während der Show merklich. Der insgesamt guten Stimmung tat dies jedoch kaum Abbruch. Einen respektablen Teil dazu trug hierzu die harte Fanbase teil, die mit viel Spaß und Elan bei der Sache war. Kollektives Tanzen und Mitsingen war vor allem bei den letzten Stücken, bei denen sich ein Hit an den anderen anschloss, angesagt. Höhepunkt und vorläufiger Abschluss bildete dazu der „Tanz der Revolution“. Alle Zeichen standen danach eigentlich schon darauf, dass ohne Umschweife mit der Clubparty begonnen werden sollte. Den engagierten Jubelrufen sei Dank, gab es schließlich dennoch ein letztes Stelldichein mit Frozen Plasma. Zur Zugabe wählte die Band „Warmongers“ aus, welches begeistert aufgenommen wurde. Damit war nach ca. 1,5 Stunden dann aber tatsächlich das Ende erreicht.

Setlist:
Age after Age
Foolish Dreams
Earthling
Stare at the moon
Rain
Irony
Maniac
Faith over your fear
Livin on Video (Cover)
Crazy
Murderous Trap
Tanz die Revolution
—-
Warmongers

Nach der Zugabe ging es nahtlos zur anschließenden Party über. Die Halle war danach jedoch ziemlich schnell, ziemlich leer gefegt. Warum, lässt sich schwer sagen. Der DJ für seinen Teil machte zumindest einen guten Job, der das Herz der Tanzwütigen höher schlagen ließ. Derart beflügelt konnte die Nacht fröhlich ausklingen.

Fazit: Trotz kleinerer Abstriche insgesamt ein gelungener Abend.

Bericht + Foto: Ina Pusch

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