Konzertbericht: hundreds & MISSINCAT in Dresden

Um in einem alten muffigen Kinosaal ein Akustikkonzert gelingen zu lassen, bedarf es schon Musikern und Stimmen aus der ersten Garnitur. In der Schauburg Dresden ging man mit hundreds und MISSINCAT keinerlei Risiko ein.

Und das ist im Grunde schon die gute Nachricht vorab. Qualitativ so hochwertige Musik wie die von den Geschwistern Milner sorgt sogar in der Verlängerung der regulären Albumtour für ausverkaufte Häuser. So auch hier in der Elbestadt. Zugegeben – Aftermath ist auch nicht irgendein Album gewesen, sondern ein Meilenstein. Das versammelte Publikum war entsprechend gespannt und verfügte – das ein unbestrittener Kinovorteil – von allen Plätzen aus über perfekte Sichtbedingungen. Zunächst auf dem Spielplan: die aus Mailand stammende Wahlberlinerin MISSINCAT. Eigentlich kann sie alles allein, das schrieb kürzlich die Berliner Morgenpost in einem Artikel und ganz recht: Caterina Barbieri kann alles selbst, vom gefühlvollen Gesang übers Gitarren- und Keyboardspiel über die Arbeit am Drumcomputer bis hin zu Loopattacken, die selbst eine Kawehi nicht besser hinbekommen hätte. Und den in ihrer Heimatsprache geschriebenen faszinierenden Abschlusssong Capita sang sie ebenso ganz allein, zuvor war das eigentlich ein Solo mit Dente gewesen. Den man keine Sekunde vermisst. Auch die anderen Songs stammen allesamt aus eigener Feder, jeder in seiner eigenen Art bezwingend und mit charmanter Ansage vorbereitend. Dies alles konnte nichts anderes als Begeisterung auslösen und den Eindruck verdecken, dass wir hier eigentlich über das Vorprogramm sprechen. Falsch! MISSINCAT ist ganz klar Hauptprogramm, hoffentlich bald schon wieder. Das nächste Woche erscheinende Album Wirewalker ist hiermit wärmstens empfohlen!

Als hundreds im vergangenen Jahr beim Wave Gotik Treffen spielten, habe ich mich gefragt, warum die schwarze Szene so selten mit solchen Leckerbissen verwöhnt wird. Denn gewisse Schnittmengen bestehen ja durchaus. Leider war das wohl eine Ausnahme, aber letztlich auch kein Beinbruch. Die Band aus dem Norden funktioniert auch super ohne Festlegung auf eine Sparte. Und durch die offenbar vorhandene Lust am Touren bekommt auch jede Region etwas davon ab. Das grandiose Album Aftermath zwang geradezu nach einer weiteren Variante der Interpretation. Deutlich zurückgenommen wurde der elektronische Faktor, auch sonst gewohnte Licht und Nebeleffekte wurden weggelassen. Die Reduktion auf die Musik selbst funktionierte erwartungsgemäß gut. Das kongeniale Geschwisterduo vollbrachte Höchstleistungen an Mikro und Tasten. Ausschließlich Gesang und Klavier gab es dennoch nicht, einen Schlagzeuger hatte man zur Sicherheit dabei. Neben grandiosen Neufassungen von Beehive, Please Rewind oder Machine waren auch zwei Coverversionen mit an Bord. Zunächst eine von Björk. Dazu die Geschichte, dass Eva Milner einst einen Brief an die berühmte Isländerin schrieb und sich für eine Au-Pair Stelle bewarb – und ganz am Ende dann ein niemals vergessener Song von Black „Wonderful life“. In der Tat. In Momenten wie diesen ist das Leben wundervoll. Großes Kino in der Schauburg.

Fotos + Bericht: Frank Buttenbender
Weitere Fotos des Abends in unserer Galerie.

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