Konzertbericht: Jean-Michel Jarre in Leipzig

Synthesizer-Pionier Jean Michel Jarre ist der Mann für die ganz großen Ereignisse. Er spielte zur Jahrtausend-Wende vor den Pyramiden in Gizeh, zu Ehren eines NASA Raumfluges in Houston und in Moskau vor nicht weniger als 3,5 Millionen Menschen. Da mutet die derzeitige Tour durch mittlere bis größere Hallen in Europa fast schon wie eine Reihe von Kammerkonzerten an. Dementsprechend nah ist der Künstler an seinem Publikum, zu Beginn schreitet er mitten durch die dichten Stuhlreihen und schüttelt eine Menge unbekannte Hände.

Auf der Bühne ist alles vollgestellt von Technik, die Geschichte geschrieben hat. Jean Michel Jarre hatte für diese Tour den Anspruch, wirklich alle Klänge live zu erzeugen und sein Studio in den Konzertsaal zu versetzen. Die Grenze zwischen Klangerzeugung und Liveauftritt wird damit aufgehoben, das Hantieren an Reglern, Knöpfen und Tasten mutiert nicht wie bei zahllosen Electro-Bands zur reinen Pantomime. Jeder Handgriff hat auch eine akkustische Wirkung, jedes Gerät erzeugt einen ganz eigenen Klang und ahmt kein klassisches Instrument nach. Die einzigen Unterstützer sind drei menschliche Assistenten, die wie der berühmte Franzose jede Menge Handarbeit zu verrichten haben, aber diese Anstrengung niemals nach Arbeit aussehen lassen. Alles wirkt leicht und souverän. 

Höhepunkte im reichlich 2-stündigen Programm waren nicht nur Klassiker à la „Oxygéne IV“ oder „Magnetic Fields 2“, sondern vor allem auch die Auftritte mit der sogenannten Laserharfe bei „Rendez-Vous 2“ und 3. Hierbei wird das an diesem Abend omnipräsente Laserlicht selbst zum Instrument. Auch der Sound ist tadellos verzerrungsfrei, wenn auch um mindestens eine Idee zu laut geraten. Offenbar kommt hier ein wenig der Rockstar in Jarre zum Vorschein, der zudem auf seiner Bühne gegenüber dem sitzenden Publikum deutlich mehr Bewegungsfreiheit besitzt. Für ein Sitzkonzert ist das musikalische Programm eigentlich viel zu rhythmusorientiert. Auch hätte man ohne Stühle deutlich mehr Menschen zu deutlich niedrigeren Preisen in den Hallen unterbringen können. Aber bei dieser Tour ging es JMJ im Gegensatz zu vielen seiner früheren Megaevents nicht um die maximal erreichbare Masse an Menschen, sondern um einen gediegeneren, seiner eigenen Bedeutung womöglich angemesseneren Rahmen. Vermutlich hat er ja auch ganz Recht damit.

Bericht/Foto: Frank Buttenbender

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