Konzertbericht: Mesh & Gäste in Frankfurt

Mit „Automation Baby“ lieferten Mesh ihren Beitrag zum bereits an Neuerscheinungen reichen Jahr und ließen eine gleichnamige Tour folgen, um die neuen Stücke dem Publikum auch live zu präsentieren. Die kleine Rundreise durch Deutschland führte sie unter anderem in die Batschkapp, einem gemütlichen Club im Norden von Frankfurt/Main. Wer sich nicht in die ersten Reihen stellen wollte, hatte im erhöhten Bar-Bereich die Möglichkeit auf einen direkten Blick auf die gegenüberliegende Bühne.

Für das musikalische Warm-Up waren gleich zwei Vorgruppen angekündigt – das bedeutete zwar einerseits viel Programm für’s Ticket und die Möglichkeit, eventuell noch unbekannte Bands kennenzulernen und vielleicht für sich persönlich zu entdecken. Andererseits aber auch eine längere (Warte-)Zeit bis zum Hauptakt des Abends. Ich war gespannt, welcher der beiden Aspekte an diesem Abend überwiegen würde. Der Konzertabend begann pünktlich um 19:30 Uhr mit SINESTAR, einer noch recht jungen Band aus Bristol/England. Das sympathische Quartett präsentierte einen eingängigen Song nach dem anderen und hatte das Publikum spätestens nach dem zweiten Titel in der Tasche. Obwohl der Musikstil selbst einen hohen Wiedererkennungseffekt hat, so schaffen es Sinestar dennoch, etwas ganz Eigenes und Individuelles daraus zu machen. Jedes Stück wurde mit begeistertem Applaus bedacht und die zu Beginn des Auftritts noch überschaubar besuchte Batschkapp füllte sich zusehends. Sänger Iain Brownlie gab beim letzten Titel „Lived For“ noch einmal Gas und stellte zusätzlich zu seinen Gesangskünsten auch seine Rap-Fähigkeiten unter Beweis – ein mitreißender Abschluss für einen tollen Auftritt. Bleibt zu hoffen, dass die vier Jungs bald ihr Debütalbum veröffentlichen können.

Nach einer kleinen Umbaupause betrat das slowenische Trio TORUL die Bühne, die bereits auf erste Veröffentlichungen (das zweite Album erschien vor kurzem) zurückblicken können. Auch bei diesem Auftritt standen elektronische Klänge im Vordergrund, in diesem Fall etwas düsterer und atmosphärischer, aber nicht minder individuell. Die leidensvolle Mimik von Sänger Jan Jenko war allerdings grenzwertig und verlieh dem Ganzen einen leicht tragikomödischen Einschlag –andererseits war es aber auch irgendwie angenehm, wie sehr der Frontmann in dieser Rolle und seinem Gesang aufging. Zumal in den Songpausen immer wieder ein sympathisches Lachen über sein Gesicht huschte. Auch dieser Auftritt fand Anklang bei den nun zahlreich anwesenden Konzertbesuchern, so dass die Entscheidung für zwei Vorgruppen an diesem Abend definitiv die richtige war.

Begeisterter Applaus erfüllte die Batschkapp, als um kurz nach neun die Herren von MESH auf der Bühne erschienen und das Konzert mit „Adjust Your Set“ – einem Stück aus dem aktuellen Album – eröffneten. Sänger Mark Hockings hatte trotz der frühsommerlichen Temperaturen draußen und stetig steigenden Temperaturen im Saal nicht auf sein typisches Outfit verzichtet und war mit Pullover und Wollmütze die mit Abstand am wärmsten angezogene Person im Saal. Zusammen mit seinem Band-Kollegen Richard Silverthorn hatte er es in den vergangenen 20 Jahren ganz offensichtlich geschafft, eine treue Fangemeinde aufzubauen – anders lässt es sich fast nicht erklären, dass das Publikum den Auftritt ab den ersten Takten leidenschaftlich feierte und somit die zurückhaltende Art des Frontmanns mehr als wett machte. Die Songauswahl bestand größtenteils aus Stücken vom neuen Album „Automation Baby“, die sich als extrem live-tauglich erwiesen. Aber auch Klassiker wie „Leave You Nothing“ oder „It Scares Me“ hatten es auf die Setlist geschafft. Durch das Programm führte eine Frauenstimme, die jedes Stück durch Nennung des jeweiligen Albumtitels und der Tracknummer ankündigte (z.B. „Automation Baby – Track Number two“). Ergänzt wurde die musikalische Darbietung durch Videoprojektionen auf zwei Leinwänden im Hintergrund und zwei LCD-Schirmen an Bühnenrand. Während einem Song wurde das Publikum gefilmt und die Bilder im Sinne einer live-cam darauf übertragen. Als der reguläre Teil der Setlist mit „Taken for Granted“ beendet wurde, sang das Publikum den letzten Part einfach weiter und holte die Band damit zurück auf die Bühne. Die Single-Auskopplung „Born To Lie“ eröffnete den Zugabenblock, gefolgt von „Friends Like These“. Während diesem Song wurden ausschließlich Fotos von Fans auf den Schirmen gezeigt – eine in meinen Augen schöne Art, Publikumsnähe zu zeigen und dem einen oder anderen Konzertbesucher einen ganz besonderen Moment zu bescheren. Anschließend tauchte Mark Hockings für den letzten Song plötzlich vor dem Mischpult und somit mitten im Publikum auf – ein zauberhafter Abschluss eines großartigen Auftritts. Nach den letzten Klängen von „You Couldn’t See This Coming“ waren sowohl er als auch die anderen Bandmitglieder plötzlich wie vom Erdboden verschwunden und hinterließen einen Hauch von Magie in der inzwischen wieder hell erleuchten Batschkapp. Ein grandioser Auftritt und wunderschöner Abend, der Lust auf mehr gemacht hat.

Setlist
Intro/Adjust your set
Automation Baby
Leave You Nothing
This Is the Time
Crash
Never Meet Your Heroes
What’s owed to you?
How Long
Room With A View
You Didn’t Want Me
Can You Mend Hearts?
Just Leave Us Alone
It Scares Me
Everything I Made
Step by Step
When the City Breathes
From This Height
Taken For Granted
===
Born To Lie
Friends Like These
You Couldn’t See This Coming

Bericht + Foto: Vanessa Meidinger
Weitere Fotos des Abends befinden sich in unserer Galerie.

 

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