Konzertbericht: Muse in Hamburg

Muse, support: Jack Garratt (Hamburg, 06.06.2016)

Hamburg, 6. Juni – die Sonne brennt. Aber nur draußen. Pünktlich zum Einlass sammelte man sich langsam vor der Barclay-Arena. Während sich die Masse an den Haupteingängen drängt, konnte man abseits davon am eher vernachlässigten Nebeneingang entspannt und ohne Warten die Halle betreten. Ein kurzer, obligatorischer Boxenstopp, bevor es schnurstracks in den Innenraum ging. Den Zugang über die Treppen wurde am Besten zur Sondierung der Lage und einen ersten Überblick genutzt. Bereits bei voller Beleuchtung beeindruckte der 360 Grad-Bühnenaufbau mit seinen zwei seitlichen Ausläufern. Der unschlagbare Vorteil dieser gewaltigen Konstruktion: massig Fläche für die erste Reihe. Ein passendes Plätzchen für die Show war schnell gefunden.

Anschließend hieß es: Warten. In geselliger Runde ließen sich die knapp zwei Stunden bis 20:00 Uhr aber gut ertragen. Auf die Minute genau erklomm das One-man-Multitalent Jack Garratt den Ring. Musikalisch nur schwer zu fassen, gelang es dem Künstler dennoch schnell das Publikum für sich einzunehmen. Die Faszination zeigte sich dabei weniger in der Bewegung, sondern mehr durch das Umjubeln jedes einzelnen Stücks. Etwas schade war, dass man die Rotation der Bühne nicht für den Support verfügbar machte. Je nach Standort konnte man leider nur die Rückenansicht bewundern. Immerhin wurde zumindest die obere Videoprojektion eingeschaltet, so dass man mit in den Nacken gelegtem Kopf wenigstens hin und wieder auch das Gesicht des Musikers sehen konnte. Bequem war diese Haltung jedoch eher nicht. Nach 30 Minuten endete das Warm-up und die Crew machte sich emsig daran, für den Hauptakt Platz zu schaffen.

Kurz vor 21:00 Uhr kam langsam Bewegung ins Publikum. Ungeduldig und mit großer Erwartung verdichtete es sich an den Absperrungen. Eine einleitende Einweisung machte zweisprachig darauf aufmerksam, dass bitte an allen fotografischen Geräten die Blitzfunktion deaktiviert wird, um die Effekte der Show nicht zu stören. Es dauerte jedoch danach noch etwa 15 weitere Minuten ehe sich die Lichter erneut senkten. Das „Drones“ (Intro) läutete den Showauftakt ein. Während vermummte Soldaten mit blau leuchtenden Augen im Graben einmarschierten, tauchten zugleich Dronengebilde von der Decke herab und schwebten über die Köpfe der staunenden Fans. Anschließend bretterte mit voller Wucht „Psycho“ aus den Boxen und die Band erschien wie aus dem Nichts auf der Bühne verteilt. Die Zuschauer empfingen sie begeistert und mit vollem Elan. Darauf folgten gute 110 Minuten geballte, schweißtreibende Showeinlagen. Stimmgewaltig und bis auf wenige Ausnahmen friedlich ausgelassen tanzend rockten die Zuschauer zusammen mit der Band das ganze Konzert. Die rotierende Bühne sorgte für abwechselnd gute Sicht auf Sänger Matthew Bellamy oder Bassist Chris Wolstenholme. Drummer Dominic Howard war mit seiner zentralen Position fast kontinuierlich perfekt zu beobachten. Zu beinahe jedem Song bot die Bühne neue Raffinessen und war beeindruckend gut auf die einzelnen Stimmungen angepasst. Eine lange Reihe Leinwände zierten immer wieder die seitlichen Ausläufer. Genutzt wurden sie für passende Videoeinspielungen. Besonders fesselnd war die Installation zu „The Handler“, bei der Matthew und Chris an Marionettensträngen von einer digitalen Puppenspielerhand dirigiert wurden.

Im Übrigen gab es raumgreifende Lightshows, Leinwände an der Drehbühne und eine zu einem „Kronleuchter“ über dem Drumset ausgefahrene Decke. Zu „Supermassive black hole“ tanzte ein farbenfrohes Ballondronenballett in der Halle. Bei „Starlight“ zogen sich die starren Plastikbälle langsam zurück und wurden zum Ende hin durch Riesenballons zum Spielen ersetzt. Der Letzte dieser Art wurde von Chris mit seinem Bass erlegt. „Feeling Good“ performte Mr. Bellamy stimmungsvoll auf dem schwarzen Klavierflügel, der auf einem der Laufstege thronte. Zum vorläufigen Abschluss mit „The Globalist“ wurde die Bühne noch einmal nahezu von den Leinwänden umschlossen, um den Song mit ausdrucksstarken cineastischen Bildern zu untermalen. Zudem glitt ein Gummiflieger durch die Lüfte. Großartiges Finale. Das Publikum jubelte frenetisch und verlangte lautstakt nach mehr. Gedankt wurde es ihnen mit „Mercy“ und „Knights of Cydonia“. Für diese beiden Stücke wurden noch ein letztes Mal alle Kräfte mobilisiert. Singend und springend feierten die Fans die Zugaben. Zur Krönung dessen schossen Luftschlangen und Papierfetzen in den Saal. Die britische Band hatte es erneut geschafft, restlos zu begeistern. Denn nicht nur optisch, sondern auch musikalisch ließ das Konzert kaum einen Fanwunsch offen. Die ausgewogene Auswahl der Songs quer durch die Bandgeschichte bot für jeden etwas. Derart euphorisiert konnte man leichten Fußes mit der großen Masse den Heimweg antreten.

Fazit: Bei Muse weiß man wenigstens, wofür man das Geld ausgibt. Uneingeschränkt empfehlenswert.

Bericht: Ina Pusch
Foto (Ausschnitt): Vanessa Frühling