Konzertbericht: Skinny Puppy in Prag

Das sehnsüchtige Warten auf ein neues Skinny Puppy Album wird wohl noch bis Anfang nächsten Jahres anhalten, aber immerhin ist die legendäre Formation derzeit trotzdem auf Europa-Tournee. Da die Band in Deutschland lediglich zwei Festivals besuchte, mussten wir für eine Einzelshow ins nahe gelegene Prag ausweichen. Und das hat sich gleich in mehrfacher Hinsicht gelohnt. Zum einen natürlich, weil ein Einzelkonzert ein intensiveres Erlebnis darstellt als ein Festivalauftritt, zum anderen wegen der sehr ansprechenden Location. Und zum dritten ist Prag selbst natürlich reizvoller als sagen wir mal Hildesheim ….

Auch wenn auf eine Supportband verzichtet wurde, verschob sich der Beginn gegenüber der Ankündigung um eine halbe Stunde, was einige ungeduldige Fans zu unangemessen wirkenden Pfiffen verleitete. Von diesen Einzelfällen abgesehen herrschte eine ausgesprochen erwartungsfrohe und feierliche Atmosphäre in der sehr gut gefüllten Lucerna Music Bar, die sich in einer Passage nahe des Wenzelsplatzes befindet. 

Gegen 21.30 begannen dann Nivek Ogre, Cevin Key und Schlagzeuger Justin Bennett mit einem furiosen Triumphzug durch die eigene Geschichte. Sehr geschickt wurden sämtliche Phasen miteinander verwoben, Höhepunkte waren für mich die beiden sehr dynamischen Stücke des letzten Albums („Politikil“ und „Pedafly“) sowie die beiden Klassiker „Assimilate“ und „Worlock“. Gerade die letztgenannten Songs sorgten beim um die runde Bühne in zwei Ebenen verteilten Publikum für bestmögliche Stimmung.

Im Gegensatz zu den oftmals blutreichen Auftritten der Vergangenheit beherrschten dieses Mal die Lichteffekte und Projektionen die Szenerie. Dabei wurde nicht nur einfach Material an eine Leinwand gebeamt; große Teile der Bühnenaufbauten und die Musiker selbst wurden zur Projektionsfläche, was gleichermaßen skurril wie genial wirkte und der Ausnahmerolle gerecht wurde, die Skinny Puppy in der Musikgeschichte nach wie vor zu Recht einnimmt. Sänger Nivek Ogre überzeugte außerdem nicht nur am Mikrophon, sondern auch mit ausgesprochen extravagantem Bühnenoutfit. Erst zu den Zugaben zeigte er sich der Menge mit maskenfreiem Gesicht.

Ein großartiges Konzerterlebnis, auch der Sound konnte mich gerade im Vergleich mit dem Amphi-Festival-Auftritt sehr überzeugen. Ein wenig schade war lediglich die Gesamtspielzeit von gerade mal 90 Minuten. Da wäre man wirklich gern in eine Verlängerung gegangen.

1. Love In Vein
2. Hatekill
3. Addiction
4. Dogshit
5. Deadlines
6. Tormentor
7. Politikil
8. Pedafly
9. Rodent
10. Pro-Test
11. Morpheus Laughing
12. Ugli
13. Assimilate

14. Worlock
15. Shore Lined Poison

16. Far Too Frail

Bericht + Foto: Frank Buttenbender (Erstveröffentlichung im August 2010)

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