Konzertbericht: The Sisters of Mercy in Dresden

The Sisters of Mercy sind auf Tournee und machten am Dienstag in Dresden halt. Einiges über das Konzert erfahrt ihr im folgenden.

„[Klischees sind] vorgeprägte Wendungen, abgegriffene und durch allzu häufigen Gebrauch verschlissene Bilder, Ausdrucksweisen, Rede- und Denkschemata, die ohne individuelle Überzeugung einfach unbedacht übernommen werden.“ Dieses Zitat von Gero von Wilpert lässt sich zunächst gut auf die Sisters of Mercy übertragen. Denn fast jeder hat beim Klang dieses Namens automatisch festgelegte Vorstellungen im Kopf. Nebel bis zum Abwinken, Sonnenbrillen trotz Dunkelheit, Verleugnung der Gothicszene, obwohl man sie letztlich mit zu verantworten hat. Und trotz jahrzehntelangem Veröffentlichungsstillstand ein ungebrochener Publikumsauflauf. 

All das wurde aber in Dresden bis aufs Haar genauso eingehalten, niemand wurde enttäuscht oder überrascht. Im Gegensatz zu Bela B., der am Vorabend im kleinen Saal seinen Platz fand, füllten die drei Schwestern trotz fehlender Veröffentlichungen problemlos Saal Nr. 1. Das nach dem engagierten Vorprogramm durch die Losers beginnende More galt wohl der Nebelmaschine, die bei When you don’t see me endgültig zur Hochform auflief, die Band erkannte man viel eher an der charakteristischen, streitbaren Stimme von Andrew Eldritch, der immerhin aus der Nähe mittlerweile ein wenig wie Peter Gabriel wirkt. Auch seine Mitstreiter an den Gitarren trugen die Haare kurz, machten ihren Job aber routiniert wie eh und je. Das Set bestand aus all jenen Gothic-Rock Perlen, die ganze Generationen in die Szene oder zumindest auf die Tanzfläche getrieben haben. Geredet wurde selten, geraucht umso mehr. Alles fühlte sich an wie tief in den 80ern, als das alles noch neu cool war.

Was neues und cooles im Sinne von 2014 konnte man nicht vernehmen. The Sisters of Mercy erfüllten alle Erwartungen. Immerhin darauf ist also noch Verlass.

Bericht + Foto: Frank Buttenbender
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