Rezension: Bilderbuch – Magic Life

„Magic Life“ erscheint am 17.02.2017

Nehmen Sie sich 41 Minuten und 15 Sekunden Zeit. Suchen Sie sich nun einen Raum aus, in dem Sie ungestört Liegen oder Tanzen können. Dämpfen Sie das Licht ein wenig.

Machen Sie einige tiefe Atemzüge und lassen Sie Ihren Körper locker werden.

Lassen wir uns nun gemeinsam auf „Magic Life“ ein:

„Carpe Diem“ schleicht sich durch die Boxen und liefert einen zarten Einstieg in das folgende, bereits publizierte „I <3 Stress“, das mal pompös trumpfend, mal melodisch ruhig an die Ohren tanzt.

Störende Gedanken lassen Sie vorüberziehen, indem Sie sich ganz auf das Hörerlebnis einlassen.

Nun haben wir Gelegenheit uns von der fragilen „Sweetlove“ hinwegtragen zu lassen und beschwingt zu „Baba pt. 2“ überzugehen. Diese kurze Brücke, deren Titel schon die Verbindung zu einem der folgenden Songs („Baba“) schafft, kreiert einen angenehmen Stimmungswechsel zum wesentlich lockeren und ununmgänglich tanzbaren Track „Bungalow“. Hier erleben wir den besten Beweis für die Leichtigkeit unserer Sprache, die Hand in Hand mit der Melodie nur so dahinfließt. Auf diese einmalig funkige Einheit folgt „Sprit N‘ Soda“, das musikalisch irgendwo zwischen der „I <3 Stress“ Unruhe und der „Bungalow“-Wärme zu verorten ist. Mit „Erzähl Deinen Mädels Ich Bin Wieder in der Stadt“ tragen uns die Wiener Muchachos durch die ganze Nacht, um uns direkt zur „SUPERFUNKYPARTYTIME“ (deren beabsichtigte Großbuchstaben vermutlich signalisieren sollen, das es sich hierbei um den Song handelt, der sich am nahesten am Mainstream tummelt) zu führen. An dieses kurzweilige Ereignis sind wir nun „Investment 7“, dessen beschwingte Leichtigkeit uns ein sehr angenehm heiteres Gefühl des Über-den-Wolken-Schwebens-aber-dabei-immernoch-tanzen-könnens vermittelt. Eine weitere Minute investieren wir nun in den titelgebenden, spartanischen Track „Magic Life“, der nur mit verzerrten Worten zu überzeugen versucht, während sich das anschließende „Baba“ musikalisch weitaus interessanter gestaltet. Eingängig groovt dieser Track ein entspanntes Gefühl in unsere Körper bis sich das (beinahe*) abschließende Highlight „sneakers4free“ präsentiert. Mit den wärmenden Gospelstimmen wird hier ein würdiges Finale von Magic Life geschaffen. „Magic Life“ schafft nicht nur Anlass den Free Drinks nachzugehen, sondern auch Raum für Free Dreams.

* Kess ertönt (zumindest in der digitalen Version) “Babylon“ und lädt durch seine melodiöse Virtuosität und den abrupten Abschluss zum erneuten Hören ein.

Bleiben Sie nun noch einige Minuten ganz ruhig liegen und genießen Sie. Gehen Sie in Gedanken diesem Hörerlebnis erneut nach und tauchen Sie dann wieder in den Alltag ein und bemerken Sie, dass den Österreichern, vor denen kein popkulturell interessiertes Medium Halt macht, eine neue Idee von deutschsprachiger Popmusik gelungen ist, in dem sie durch eloquente Experimentierfreudigkeit von Sprachgewandtheit, Leichtigkeit, Jugendlichkeit und Einfältigkeit profitiert.

Rezension: Claudia Helmert