Rezension: Front Line Assembly – Echogenetic

Nachdem in diesem Jahr die Kollegen Skinny Puppy ein erstaunlich geradliniges Werk veröffentlichten, erwartete man mit großer Spannung das neue Album des anderen kanadischen Electrogiganten Front Line Assembly.

Und siehe da, Echogenetic ist wesentlich experimenteller geraten, auch und vor allem gegenüber dem letzten eigenen Album, der straighten Industrialmetal-Offenbarung Improvised.Electronic.Device . Das möchte man zunächst gar nicht glauben, denn der vorab verbreitete eingängig-wuchtige Song Killing Grounds ist ein Clubhit, wie er im Buche steht. 

Der Rest kommt zumeist verzögert, verspielt und fragmentiert daher. Das irritiert für den Moment, irgendwie wartet man immer auf die erlösende Keule, den befreiend hymnischen Refrain. Aber nein, die Songs verharren dekonstruiert im Dubstep-Schleichgang. Automatisch bleibt dadurch das Ohr an den Details haften, die mit der Zeit eindrucksvoll ihre Wirkung entfalten. Und ganz allmählich versteht man dann auch, warum man anfangs Schwierigkeiten hatte. Man entdeckt nicht so viel Vertrautes,weil es sich schlicht um etwas Neues, um Innovation handelt, die sich meist zunächst fremd anfühlt und erst begriffen werden will. Ist man dann endlich offen für die neue Klangstruktur, ist das Vergnügen ein noch viel Größeres, als wenn es sich gleich offenbart hätte. Die Gitarren werden nicht eine Sekunde vermisst, FLA demonstrieren, zu welch atmosphärischer Vielfalt Electro im Jahre 2013 fähig ist. Anspieltipps: Killing Grounds, Blood und vor allem Ghosts

Nachdem der Vorgänger noch so eine Art Zusammenfassung des bisher Erreichten darstellte, ist Echogenetic genau DIE Weiterentwicklung im elektronischen Alternativbereich, die man seit Jahren eigentlich von jüngeren Bands erwartet hatte. Bravo.

Rezension: Frank Buttenbender.

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