Rezension: Peter Heppner – My Heart of Stone

Peter Heppner wird immer als die Stimme von Wolfsheim angepriesen, sogar auf dem aktuellen Album klebt dieser wohl als Werbung gedachte Hinweis. Aber eigentlich ist es nicht ganz richtig, ihn auf die Stimme eines mittlerweile untergegangenen Projektes zu reduzieren. Peter Heppner war auch zu Lebzeiten von Wolfsheim immer auch in anderen Rollen zu erleben. Mitunter waren die gemeinsamen Songs mit Joachim Witt, Schiller und einigen anderen Prominenten noch weit erfolgreicher und machten ihn ganz nebenbei auch einem Publikum bekannt, das mit der Schwarzen Szene weniger zu tun hat.

„My Heart of Stone“ ist Heppners zweites Solowerk und auch diesem Album wohnt die ganz spezielle Atmosphäre inne, die man auf allen Werken des Hamburgers wahrnimmt. Immer sehr nah die Grenze zur Verzweiflung beschreibend, ist da stets auch der Wille spürbar, gegen das Elend anzukämpfen. Folglich erlebt man in ihrer Grundaussage so verschiedene Tracks wie das verträumt-optimistische „Meine Welt“ oder das tieftraurig flehende „Noch nicht so weit“. Als Single hätte sich für meinen Geschmack übrigens viel eher das herausragend hymnische „I won’t give up“ angeboten, dem wohl das größte Hitpotential beider Soloplatten zu Eigen ist. Auch gut zur Sache kommt „Give us what we need“, das inhaltlich alle folgende Düsternis von sich weißt. Dynamische Kost ist sonst allerdings eher die Ausnahme, das Album besticht durch eine ganze Anzahl besinnlicherer Stücke, die sich – auch mit Hilfe von instrumentalen Brückentracks – zu einem stimmigen Ganzen fügen. Ein wenig heraussticht das vorab kostenlos verbreitete und experimenteller geratene „God smoked“, was mich ein wenig an Werke von De/Vision erinnert. Der als Bonustrack gekennzeichnete Kids-Edit von „Meine Welt“ umschifft die Kitschfalle leider nicht souverän genug. Allerdings ist dieser letzte Song der einzige wirkliche Schwachpunkt an einem ansonsten tollen Album. 

„My Heart of Stone“ ist ein Werk, das trotz seiner teilweise trostlosen Themen von einem sehr souverän agierenden Peter Heppner präsentiert wird. Und das ist dann auch das eigentliche Kunststück: das Elend des Daseins gefühlvoll und authentisch zu beschreiben ohne selbst darin unterzugehen. Innovation ist dabei weniger spürbar als vielmehr die Einlösung des Erwarteten. Und das ist im Falle von Heppner nicht wenig gewesen.

8/10
Frank Buttenbender.

Kommentar hinterlassen