Rezension: Skinny Puppy – Handover

Ende Oktober ist es endlich soweit. Das von vielen Freunden anspruchsvollster Musik erwartete neue Album von Skinny Puppy erblickt das Licht der Welt. Nach endlosen Terminverschiebungen und einem genialen ohGr Album ist die Erwartungshaltung immens hoch. Kann „hanDover“ überzeugen?

Der Charakter von „hanDover“ teilt sich in einen melancholisch-düsteren und einen kraftvoll-experimentellen Part. Die Tracks aus der ersten Hälfte des Albums gehen zunächst behutsam zu Werke, als Höhepunkte sind hier „Cullorblind“ und „Wavy“ zu nennen, die in ihrer verträumten Atmosphäre interessanter Weise sehr an die Songs „Haze“ und „Jaher“ vom Vorgängeralbum erinnern und somit ein Verbindungsglied zu „Mythmaker“ darstellen. Aber auch „AshAs“ verbreitet eine nachdenkliche Stimmung, was angesichts der Widmung des Songs an den verstorbenen Bandtechniker Sasha Coon nicht verwundert und außerordentlich passend ist. 

Dann aber wendet sich das Blatt. War der Vorgänger einigen Skinny Puppy Fans zu kantenlos und cluborientiert geraten, kann man das dem neuen Longplay nun wahrlich nicht vorwerfen. Für die ersten Durchläufe entpuppt sich „handOver“ ab dieser Stelle als eine sehr schwere Kost, was allerdings natürlich nicht bedeutet, dass sie nicht genießbar ist. Es ist nur ein zunächst schwer zugängliches Vergnügen. Einige Songs wie zeigen sich so sperrig und experimentell, dass es einigermaßen schwerfällt, Gefallen an ihnen zu finden, man fühlt sich zunächst von der Ideenvielfallt überfordert und von der Wucht der Dynamik erschlagen. Hat man sich aber einmal darauf eingelassen, kommt man nur schwer davon los. Mitunter fühlt man sich hierbei wie der Patient, der zu Beginn nur widerwillig einer neuen Behandlung zustimmt und die ersten Gehversuche beklagt, dann aber irgendwann überwältigt wird von der phänomenalen Wirkung des Medikaments. Unbestrittener Höhepunkt der gnaden- und schonungslos kraftvollen Gesellschaftsanalyse ist das brachiale „Village“.

Skinny Puppy beweisen, dass sie noch immer in der Lage sind, die Stimmung einer Zeit zu beschreiben, in der wir unser Dasein fristen und hierbei auf musikalische Ideen zu kommen, die zuvor keiner hatte. Beide Teile des Albums wissen zu überzeugen, müsste ich mich jedoch für einen entscheiden, würde ich den brachialen Teil dem düster-besinnlichen Beginn vorziehen.

Rezension: Frank Buttenbender (Erstveröffentlichung: September 2011)

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