Rezension: Zeromancer – Bye, Bye Borderline

Klappe die 6. Das neue Studio-Album von Zeromancer ist endlich bereit den CD-Player erneut zum Glühen zu bringen. Das neue Werk lässt, wie der Titel andeutet, die düstere Phase mit einer klaren Ansage zurück und zeigt einmal mehr den Facettenreichtum der Band.

Zur Begrüßung machen die Norweger erst einmal Schluss. Schluss mit trüben Gedanken. Schluss mit altem Wehleid. „Auf Wiedersehen, Boy“ ist der bezeichnende Einstieg, der alles heraus schreit, was sich über die Jahr angesammelt hat und verstaubte Gewohnheiten zum Teufel schickt. Harte Gitarrenriffe, ein treibender Beat und eingängiger Refrain. Diese Energie und das zunächst vorgelegt Tempo wird anschließend jedoch nur in wenigen, weiteren Songs so konsequent beibehalten. Vielmehr spielen Zeromancer in den Liedern selbst bevorzugt mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. So zieht auch „Bye-Bye Borderline“ erst einmal die Handbremse an. Wesentlich ruhiger, tragender transportiert der Song seine Message an den Zuhörer heran. Der Refrain gibt zudem einen ersten Vorgeschmack auf die deutlich helleren, melodischeren Klänge, die sich durch das gesamte Album ziehen. Ähnlich wie auf den Vorgängeralben ist der Titeltrack jedoch eines der eher schwächeren Lieder auf der CD. Eine Schippe mehr Pop, unterstützt vor allem durch die dominante, elektronische Melodieführung, und eine unbestechliche Eingängigkeit liefert schließlich „Lcyd“. Höchster Ohrwurmcharakter und absolute Suchtgefahr. Die tanzbare, verspielte Melodie setzt sich sofort fest und lässt einen nicht mehr los. Die im Verlauf einsetzenden Gitarren sorgen für den gewissen Pepp. Darüber die klare, teils kraftvolle Stimme von Alex runden den Song dann komplett ab. In„You meet people twice“ bricht sich anschließend der starke Tempo- und Rhythmuswechsel endgültig Bahn, der sich vor alle auch in „Weakness“, „Ash Wednesday“ und „The tortured Artist“ zeigt. Von schwungvoll, treibend über kraftvoll theatralisch bis schwebend träumerisch ist alles dabei. Alles eingebunden in eine zweifelsohne bedeutende Lebensweisheit. Mit „Manouvers“ und „Montreal“ finden sich auf dem Album zwei überaus starke Balladen. Beide bestechen durch ihre Vielschichtigkeit und spielerischen Elemente, die zusammen mit der gedrosselten Geschwindigkeit eine ganz besondere Atmosphäre erzeugen. Die erstere freundlich, einladend, die letztere schwermütiger und doch einfach bezaubernd. Dazwischen „Lace and armour“, mit dem Zeromancer noch einmal die Peitsche schlagen lassen und in eine härtere Gangart wechseln. Insgesamt faszinierend und fesselnd sind auch immer wieder die Textkreationen von Songwriter Kim oder die thematisch perfekt gewählten, kleinen Einspielungen. Bezeichnend hierfür sei exemplarisch auf „Weakness“ und „Ash Wednesday“ verwiesen. Musikalisch ist das Erstere insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig, durch die textliche Brillanz besticht es dennoch. In „Ash Wednesday“ ist es das religiöse Intro, das die Neugier und Lust auf mehr weckt. „The tortured Artist“ zum Abschluss lässt den Zuhörer schließlich recht zerrissen zurück. Die musikalische Unterlegung ist heiter und stimmungsfroh, der Gesang jedoch zerbrechlich und sorgt so für ein wahres Wechselbad der Gefühle.

Fazit: Insgesamt ist das aktuelle Album vor allem durch einen ungewohnt starken, elektronischen Einfluss geprägt. Eine Parallele zu Bands wie IAMX liegt damit nicht mehr allzu fern. „Bye-bye Borderline“ ist allen in allem auch harmonischer, ausgeglichener als die Vorgängeralben, der schroffe, kantige Ton gewichen. Es zeigt sich daher – wie schon damals bei Zzyzx – ein gefälligerer, poppiger Stil, dennoch bleibt der Zeromancer-typische, kraftvolle Sound unverkennbar erhalten. Daher: unbedingt empfehlenswert!

Rezension: Ina Pusch.

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